LUCIFER’S CHALICE – The pact

Copyright: Shadow Kingdom Records / Lucifer's Chalice
Copyright: Shadow Kingdom Records / Lucifer’s Chalice

Jeder kennt das Phänomen und jedem begegnet es wahrscheinlich sogar mehrmals im Jahr: Da stößt man völlig unvorbereitet auf eine noch relativ junge Band und ist vom ersten Ton an komplett begeistert. So geht es mir seit einigen Wochen mit den Briten LUCIFER’S CHALICE, die bereits im Februar dieses Jahres ihr Debüt-Album „The pact“ digital selbst veröffentlichten und nun am 29. September von Shadow Kingdom Records dessen Veredelung als CD, Tape sowie einer neuen digitalen Veröffentlichung kredenzt bekamen. Und obwohl weder die Produktion perfekt ist und ganz besonders die Vocals alles andere als leicht verdaulich sind, strahlt das Album eine solche Wärme und Tiefe aus, wie man es nur sehr selten zu hören bekommt. Es spielt schlicht keine Rolle, dass der ‚Gesang‘ teilweise schief ist, die hohen Töne merklich Probleme bereiten und die Vocals generell sehr kauzig klingen. Aber seien wir ehrlich: Auch Bands wie Atlantean Kodex, Eternal Champion oder Solstice haben alles andere als perfekte Vocalisten und werden trotzdem abgefeiert wie die Hölle. Und ähnlich wie bei diesen Bands regieren hier reine und epische Anleihen an die NWOBHM, die sich zu emotionalen, aber kraftvollen Doom Metal-Songs wandeln.

Der Opener „Hung at the crossroads“ ist von Beginn an eine absolute Doom-Granate. Die Band weiß hundertprozentig, was es bedeutet, diesen Stil zu spielen und dass es hierbei vor allem um Atmosphäre und ganz besonders um Emotionen geht. Und lässt man sich einfach mal komplett in die Musik fallen und klammert die okkulten Texte aus, dann passiert das, was jedem Doomhead nur wohlbekannt ist: Die Realität verschwimmt, man findet sich auf einer völlig anderen Bewusstseinsebene wieder und zelebriert lachend Tod, Untergang und das Leben. Dass man musikalisch wie bereits gesagt im NWOBHM seine Wurzeln hat und nicht in pseudo-okkultem Rockgedöns, macht das Album umso wertvoller für die Metalszene. Wäre dieses Album vor 30 Jahren erschienen, dann würde man heute von einem Kult-Release sprechen; soviel ist sicher. Und auch der folgende Titeltrack, „The pact“, arbeitet mit diesen Stilmitteln, ist allerdings noch eine Steigerung zum Opener, da er noch dynamischer ist und dem Album an sich einen gewaltigen Schub verpasst. Da passt es gut, dass man mit „Full moon nights“ eben diese Schiene weiterfährt und die eingestreuten Tempiwechsel wirklich gekonnt eingesetzt werden. Der Closer „Priestess of death“ rundet das Album dann (fast) perfekt ab. Man geht hier etwas gezügelter zu Werke, nimmt stellenweise das Tempo ein wenig heraus und kommt durch die geringe Spielzeit von nur sieben Minuten etwas schneller auf den Punkt. Kleiner Wehrmutstropfen: Gerade bei diesem Track fallen einem die alles andere als perfekten Vocals auf. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn wie bereits gesagt: Irgendwie passen sie halt einfach.

Abschließend bleibt da wirklich nur noch zu sagen: Was für ein Einstand! Jeder Doom-Maniac, dem Seele und Ausdruck in der Musik wichtiger sind als Perfektion, der wird hier perfekt bedient. Und auch allen anderen sei dringend empfohlen, „The pact“ eine Chance zu geben. PFLICHTKAUF!!! +++ 8,5 / 10 Punkten

Wer sich nun selbst ein Bild von dem Album machen möchte, dem sei wärmstens empfohlen, sich das Album auf Bandcamp zumindest einmal anzuhören und es anschließend zu kaufen. Entweder direkt auf Bandcamp oder aber im labeleigenen Webshop. Und ich kann es nicht oft genug sagen: Unterstützt kleine Bands!

Copyright: Lucifer's Chalice
Copyright: Lucifer’s Chalice

LUCIFER’S CHALICE – The pact
Doom Metal from England
Label / Vertrieb: Shadow Kingdom Records (CD + Tape) & Bandcamp (Download)
Running time: 36:22 minutes
Release date: 20.02.2017 (Digital; self-released) / 29.09.2017 (CD, Tape & Digital)

www.shadowkingdomrecords.com
www.bandcamp.com

Anregungen? Kritik? Immer her damit...