CAINAN DAWN – F.O.H.A.T

Copyright: Osmose Productions / Cainan Dawn
Copyright: Osmose Productions / Cainan Dawn

Man kann es wirklich nicht oft genug sagen, dass Black Metal aus Frankreich stets etwas sehr Spezielles und Besonderes ist. Waren es in den Neunzigern eher Bands wie Anorexia Nervosa oder Forbidden Site, die mit symphonischen bzw. avantgardistischen Mitteln die Aufmerksamkeit der damaligen Fans suchten, setzte auch dort vor ca. 15 Jahren die Erkenntnis ein, dass diese Elemente viel waren – nur eben nichts, was den Black Metal auf Dauer bereichern würde. Vor allem im Post-Black Metal-Bereich tummeln sich derzeit einige der besten Bands der Szene; allerdings ist es eben genau der Punkt der mich persönlich stört – unabhängig davon, dass es rein musikalisch nichts auszusetzen gibt, wie einige Reviews hier beweisen. Somit war auch der erste Gedanke, als mir „F.O.H.A.T“, das mittlerweile dritte Album von CAINAN DAWN, auf den Tisch flatterte, ‚musikalisch hui, stilistisch pfui‘. Aber weit gefehlt! Was uns hier am 27. Oktober 2017 ins Haus steht, ist jeder Ehre wert.

Der Opener „Khaos Theos Kosmos“ wartet bereits in den ersten Minuten mit einem auf: Atmosphäre. Sowohl das leicht flirrende Riffing, das gut von den schnellen Drums untermalt wird, als auch die eher tieferen Schreie stellen die Band in Richtung von Bands wie bspw. Ofermod auf und macht sofort klar, dass wir es hier mit Occult Black Metal in seiner reinsten Form zu tun haben. Unterstrichen wird das von „Ylem“, das bereits im Vorfeld vorgestellt wurde und in seinen acht-einhalb Minuten die tiefste Schwärze über den Hörer bringt, die man sich nur denken kann. Vom Midtempo zu einem rasenden Ausbruch gesteigert und mit Melodieführungen, die man so in diesem Stil zwar mittlerweile schon gewohnt ist, überzeugt der Track vor allem durch den aufgebauten Spannungsbogen, der sich in den dissonanten Leads zum Ende hin vollkommen Bahn bricht und somit zum stärksten Track des Album wird. Jedoch sollte man das nicht zu wörtlich nehmen, denn das sich anschließende „Mara“ setzt geschwindigkeitsmäßig eine gehörige Portion Energie oben drauf und macht die beiden Tracks direkt hintereinander zu einem Parforceritt der Extraklasse. Verdammt aggressiv und mit einem völlig unerwartet kommenden Break nach zwei Dritteln hin zu etwas, dass man nur noch als schwärzesten Doom bezeichnen kann. Das vierminütige Ambient-Intermezzo „Fohat“ stellt als Titeltrack einen riesigen Kontrast zum Rest des Albums dar. Man rechnet in den ersten Sekunden nicht damit, aber es reißt dich nicht aus dem Albumfluss, sondern bereitet dich eher auf das noch folgende Triple vor. Der Übergang zu „Thule“ findet zudem fließend statt und auch dieser Track ist eine schwarze Hymne, wie man sie sich wünscht. Und das darf man jetzt wörtlich nehmen: Denn dieses Midtempo-Monster nimmt dich direkt gefangen, um dich am Ende völlig ausgelaugt zurück zu lassen. Jedoch: Es gibt keine Verschnaufpause. „Fathomless“ ist ebenso energetisch wie der vorige Song, fügt jedoch noch eine gehörige Portion mehr Schwere hinzu, als eh schon vorhanden ist. Viel Luft nach oben bleibt jetzt nicht mehr und somit ist „Om“, der Album-Closer, ein würdiger Abschluss dieses exzellenten Albums. Schnelle Parts, eingestreute Midtempo-Passagen, das dissonante Zwischenspiel und zum krönenden Abschluß ein Finale wie zur Begrüßung beim Eintritt in die Hölle!

Ich bin völlig platt! Im Vorfeld waren mir CAINAN DAWN zwar ein Begriff, hatte jedoch nie in deren Alben hinein gehört. „F.O.H.A.T“ entschädigt dafür jedoch auf ganzer Linie; denn was ich eher als solides Black Metal-Album einzureihen gedachte, entpuppt sich schon nach wenigen Minuten zu einem der besten fünf Alben in diesem Bereich für dieses Jahr (und darüber hinaus). Ebenfalls zugegeben: für diese Art von Black Metal habe ich eh mehr als nur eine Schwäche und wer Black Salvation von Anfang an verfolgt, weiß auch, dass dieser Stil genau das ist, was ich für mich selber als Black Metal definiere. Wahrlich zelebrierten Occult Black Metal gibt es zudem nicht wie Sand am Meer und darum ist hier auch das Aussieben relativ einfach. CAINAN DAWN bleiben jedenfalls dank dieses Albums weit oben und somit gilt: PFLICHTKAUF!!! +++ 9,5 / 10 Punkten

Es sind zwar nur noch knapp drei Wochen bis zum Release, aber die werden nun echt zur Qälerei. Am besten noch heute das Album auf CD oder LP vorbestellen bzw. auf die digitale Veröffentlichung auf Bandcamp warten. Die LP erscheint übrigens im November als auf 300 Exemplare limitiert auf schwarzem Vinyl.

Copyright: Cainan Dawn
Copyright: Cainan Dawn

CAINAN DAWN – F.O.H.A.T
Black Metal from France
Label / Distribution: Osmose Productions (CD, LP) & Bandcamp (Download)
Runnung time: 48:39 minutes
Release date: 27.10.2017

www.osmoseproductions.com
www.bandcamp.com

NECROMANTE – The magickal presence of occult forces

Copyright: Iron Bonehead Productions / Necromante
Copyright: Iron Bonehead Productions / Necromante

Brasilien ist ja nicht gerade als Hochburg des Black Metal bekannt und auf die Schnelle fallen einem wahrscheinlich eher Bands aus dem Death oder Thrash ein, die die metallische Historie des Landes bereichern. Mit den 2007 gegründeten NECROMANTE schickt sich nun ein Vertreter der schwarzmetallischen Zunft an, diesen Umstand mit zu ändern. Soeben erschien deren Debüt „The magickal presence of occult forces“ über Iron Bonehead Productions (wo auch sonst) und das stellt bereits einen recht respektablen Einstand dar. Rein technisch gibt es an der Horde nichts auszusetzen: Man beherrscht sein Handwerk und auch produktionstechnisch gibt man eine solide Figur ab. „NECROMANTE – The magickal presence of occult forces“ weiterlesen

LUCIFER’S CHALICE – The pact

Copyright: Shadow Kingdom Records / Lucifer's Chalice
Copyright: Shadow Kingdom Records / Lucifer’s Chalice

Jeder kennt das Phänomen und jedem begegnet es wahrscheinlich sogar mehrmals im Jahr: Da stößt man völlig unvorbereitet auf eine noch relativ junge Band und ist vom ersten Ton an komplett begeistert. So geht es mir seit einigen Wochen mit den Briten LUCIFER’S CHALICE, die bereits im Februar dieses Jahres ihr Debüt-Album „The pact“ digital selbst veröffentlichten und nun am 29. September von Shadow Kingdom Records dessen Veredelung als CD, Tape sowie einer neuen digitalen Veröffentlichung kredenzt bekamen. Und obwohl weder die Produktion perfekt ist und ganz besonders die Vocals alles andere als leicht verdaulich sind, strahlt das Album eine solche Wärme und Tiefe aus, wie man es nur sehr selten zu hören bekommt. „LUCIFER’S CHALICE – The pact“ weiterlesen

RUNESPELL – Unhallowed blood oath

Copyright: Iron Bonehead Productions / Runespell
Copyright: Iron Bonehead Productions / Runespell

Wenige Bands konnten in den letzten paar Monaten so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie RUNESPELL, das im Grunde genommen nur ein Projekt des Australiers Nightwolf ist. Aber was für eines: Obwohl in der Szene kein Neuling mehr, kam das Demo im Mai vollkommen aus dem Nichts und schlug dank des Supports von Iron Bonehead Productions sofort ein wie eine Bombe. Kein Wunder, dass man sich des Projekts annahm: Musikalisch ist man trotz der mehr als nur eindeutigen Bezugnahme auf die zweite Black Metal-Welle absolut eigenständig und versteht es, packende Songs zu schreiben, die auch nach dem x-ten Durchlauf nicht langweilig werden. „RUNESPELL – Unhallowed blood oath“ weiterlesen

AEGRUS – Thy numinous darkness

Copyright: Saturnal Records / Aegrus
Copyright: Saturnal Records / Aegrus

Für den Black Metal aus Finnland gilt, was für den Death Metal aus Schweden oder Südamerika gilt: Er ist etwas ganz Besonderes. Nicht, weil er übermäßig brutal ist, sondern weil bei einem Großteil der Bands stets eine ganz spezielle Melodieführung vorhanden ist. Ein Paradebeispiel für diesen Sound sind die im Jahr 2005 gegründeten AEGRUS, die in wenigen Wochen ihr zweites Album „Thy numinous darkness“ auf die willige Zuhörerschaft loslassen. Nachdem bereits das vor zwei Jahren veröffentlichte Debüt „Devotion for the devil“ überzeugen konnte, wird mit der aktuellen Langrille der Status noch verfestigt. „AEGRUS – Thy numinous darkness“ weiterlesen

ALL MY SINS – Lunar / Solar

Copyright: All my Sins
Copyright: All my Sins

Manchmal kommen sie wieder: Nach einer 13-jährigen Bandpause veröffentlichte das serbische Black Metal-Duo ALL MY SINS im Januar dieses Jahres ihre erste EP „Lunar / Solar“ (2002 und 2004 erschien jeweils eine Demo), auf die ich leider erst jetzt stieß. Leider, denn schon die sehr einfache graphische Gestaltung ist etwas, was mich sofort angesprochen und Neugierde in mir geweckt hat. Zwar ist die Spielzeit mit etwas mehr als 21 Minuten recht kurz, aber wir sprechen wie gesagt ’nur‘ über eine EP. Denn alleine schon die Atmosphäre, die in diesen vier Minuten kreiert wird, ist einfach atemberaubend. „ALL MY SINS – Lunar / Solar“ weiterlesen

MALOKARPATAN – Nordkarpatenland

Copyright: Invictus Productions / Malokarpatan
Copyright: Invictus Productions / Malokarpatan

Nach wie vor liegt Veröffentlichungen von Bands aus dem Osten Europas stets ein Exotenstatus bei. Sogar mehr, als dies bei geographisch viel weiter entfernten Bands aus bspw. Südamerika der Fall ist. Die Masse dortiger Kultbands ist auf Grund der politischen Zustände bis Ende der Achtziger zwar um einiges geringer, jedoch hat man mit Root und ganz besonders mit Master’s Hammer und Tormentor einige Bands vorzuweisen, deren Klasse definitiv die Masse aussticht. Und in genau diese obskure musikalische Klasse treten seit kurzem die Slovaken MALOKARPATAN, die passenderweise an Samhain ihr zweites Album „Nordkarpatenland“ auf die feierwütige Schwarzmetallmeute loslassen. „MALOKARPATAN – Nordkarpatenland“ weiterlesen

WAR POSSESSION – Doomed to chaos

Copyright: Memento Mori / War Possession
Copyright: Memento Mori / War Possession

Fleißige Leser dieser Seite wissen ja, dass ich für Bands aus Griechenland eine gewisse Schwäche pflege. In den meisten Fällen ist der Sound absolut einzigartig, die Bands sind unverwechselbar und der einzige Kritikpunkt, der mir auch nach 25 Jahren immer noch sauer aufstößt, ist der viel zu oft verwendete Drumcomputer bzw. ein Drumsound, der sich diesem verdammt ähnlich anfühlt. Das Athener Schädelspalt-Kommando WAR POSSESSION gehört zum Glück zu jener Sorte Bands, die einen Felleverdrescher aus Leib und Blut in ihren Reihen haben. Seit der Bandgründung 2008 hat man bisher eine Demo, eine EP sowie eine Split (mit den Landsleuten von Respawn the Plague) veröffentlicht und sieht nun dem Release des Debütalbums „Doomed to chaos“ entgegen. „WAR POSSESSION – Doomed to chaos“ weiterlesen

TETRAGRAMMACIDE – Primal incinerators of moral matrix

Copyright: Iron Bonehead Productions / Tetragrammacide
Copyright: Iron Bonehead Productions / Tetragrammacide

Man kann vom Glück sagen, dass es heute extrem leicht geworden ist, auf Bands von anderen (Sub-)Kontinenten aufmerksam zu werden. Vor 20 Jahren hat es kaum Labels gegeben, die trotz ihrer geringen Größe so international arbeiteten, wie das heute einem Label wie Iron Bonehead Productions möglich ist. Und wie schon so oft in der Vergangenheit wurde von diesem nun ein weiteres Krach-Kleinod aus den schwärzesten Tiefen des Kosmos ins Licht der Sonne gezogen. Die indischen Black / Death-Okkultisten von TETRAGRAMMACIDE, deren EP „Typhonian wormholes“ 2015 bereits von Iron Bonehead auf LP veredelt wurde, veröffentlichen am 03. November 2017 endlich ihr Debüt. „TETRAGRAMMACIDE – Primal incinerators of moral matrix“ weiterlesen

URN – The burning

Copyright: Iron Bonehead Productions / Urn
Copyright: Iron Bonehead Productions / Urn

Satte neun Jahre mussten wir warten, bis uns das finnische Black / Thrash-Kommando URN wieder mit einem neuen Longplayer beehrt. Die lange Pause zwischen den Alben drei und vier hat dem Quartett sichtlich gut getan, was man nun mit „The burning“ sehr eindrucksvoll unter Beweis stellt. Schon das vorab vorgestellte „Sons of the Northern Star“ zeigte, dass man nichts verlernt hat, sondern im Gegenteil eine gewaltige Steigerung verzeichnen kann. Aggressiver als in der Vergangenheit und absolut kompromisslos gibt es zehn Tracks feinsten angeschwärzten Thrash Metals auf die Ohren. Die Gitarren sind dabei nur angezerrt, so dass man jeden Anschlag hört und sich die ganze Riffgewalt mit einer wahnsinnigen Power entfaltet. „URN – The burning“ weiterlesen