VALKYRJA – Throne ablaze

VALKYRJA – Throne ablaze // Cover (C) 2018 W.T.C. Productions / Valkyrja

Fünf Jahre mussten die Fans warten, bis das neue Album der schwedischen Watain-soundalikes VALKYRJA nun endlich Ende November auf die Meute losgelassen wird. “Throne ablaze” heißt das gute Stück und macht, soviel sei vorab schon gesagt, seinem Titel alle Ehre. Und auch, wenn man meinen sollte, dass das genannte Black Metal Kommando stets wie das Schwert des Damokles über dem eigenen Schaffen schweben müsste, so hat man es doch wie schon auf dem Vorgänger “The antagonist’s fire” (2013) geschafft, sich in einer ganz eigenen Nische festzusetzen. Die Einflüsse sind nach wie vor unverkennbar (neben Watain schimmern immer wieder auch Dissection durch); allerdings begeht man nicht den Fehler stumpfen “Sworn to the dark”- oder “The somberlain”-Worshippings, sondern nimmt diese Einflüsse und legt sie als Basis für acht Songs voller Aggressivität, Wut und Dunkelheit zugrunde.

Schon das düstere Intro “In ruins I set my throne” führt stimmungsvoll in die folgenden 47 Minuten ein und bricht sich mit dem Opener “Crowned serpent” endgültig seine Bahn hin zu einer Atmosphäre, die man dieses Jahr so nur einmal erleben durfte. Die Gitarrenarbeit erinnert stark an “Trident wolf eclipse”, was aber auch an der Produktion in den Necromorbus Studios liegen könnte, dass sich langsam zum neuen Aufnahmetempel für Black Metal entwickelt. Denn spätestens im folgenden “Opposer of light” wechselt man über zu einem ganz eigenen Riffing, dass nach wie vor brutal, aber auch abwechslungsreich und melodisch ist. Besonders die Tempiwechsel gefallen mir hier sehr. Diese sind im Übrigen generell gut und schlüssig gesetzt, so dass innerhalb der Songs kein Bruch entsteht. So ist auch “Tombs of flesh” ein weiterer Beweis dafür, bevor man mit “Halo of lies” das Tempo deutlich reduziert und einen schwarzen Mahlstrom loslässt, der alles zu verschlingen droht, was ihm in die Nähe kommt.

Geschickt in die Mitte des Albums gesetzt findet nun ein Wechsel in der generellen Songstruktur statt. Statt wie bisher ausschließlich auf Aggressivität setzt man nun vermehrt auf Atmosphäre; verbindet diese beiden Pole jedoch so geschickt, dass man stets auf das nächste Riff, auf den nächsten Tempiwechsel wartet. “Transcendental death” fügt sich in dieses Konzept ausgezeichnet ein und hat zum Ende hin das wahrscheinlich beste, besser gesagt: schönste Lead, dass die Schweden je geschrieben haben. So ist es nur konsequent, dass man dieses in abgewandelter Form in “Paradise lost” noch weiter ausbaut und dem Track eine ganz eigene Melancholie verpasst, die ihn zum absoluten Höhepunkt des Album werden lässt. Daran ändert auch der das Album schließende Titeltrack “Throne ablaze” nichts, trotz seiner fast neun Minuten, in denen er alle Stärken des Albums in sich vereint und nochmals die songwriterische Klasse VALKYRJAs zementiert.

Abschließend wird es jetzt natürlich wieder diejenigen geben, die sich nach wie vor an den Vergleichen in der Einführung dieses Artikels aufhängen. Denen sei gesagt: So what!? Selbst wenn die Einflüsse so offensichtlich sind wie hier, das Ganze jedoch zu etwas Neuem verarbeitet wird und es dann noch Spaß macht, sich das Album immer und immer wieder anzuhören, hat man definitiv etwas richtig gemacht. “Throne ablaze” gehört zu genau jener Art von Alben und dafür bin ich dankbar, denn genau dieser Stil in Verbindung mit einer knackigen Produktion ist es, was Black Metal heutzutage ausmachen soll (abgesehen vom zugrundeliegenden textlichen Konzept versteht sich). DEFINITIVE KAUFEMPFEHLUNG!!! +++ 8.5 / 10 Punkten

VALKYRJA // Band © 2018 Valkyrja

VALKYRJA – Throne ablaze
Black Metal from Sweden
W.T.C. Productions
Running time: 46:59 minutes
Release date: 26.11.2018 (all formats)

store.w-t-c.web-republic.de
wtcproductions.bandcamp.com/album/throne-ablaze

Review © 2018 Beatrice Sophia von Siedler / Black Salvation

OMNIPOTENCE – Praecipitium

OMNIPOTENCE – Praecipitium // Cover © 2018 Iron Bonehead Productions / Omnipotence

Alle paar Monate erscheint ein Album, dass mich richtig aus den Latschen kippen lässt. Mit schöner Regelmäßigkeit werde ich dann daran erinnert, dass es im Metal alles andere als langweilig zugeht und man auch abseits der großen Majorlabel immer mit neuen, aufregenden Veröffentlichungen gefüttert wird. Und ganz im Gegensatz zu gewissen Majors kann man sich bei vielen Indie-Releases blind darauf verlassen, dass man hier exakt das geliefert bekommt, wofür das jeweilige Label steht. So bin ich stark davon ausgegangen, dass das am 07. Dezember bei Iron Bonehead erscheinende Debüt der Kanadier OMNIPOTENCE, “Praecipitium”, ein klasse Album werden wird; was dann jedoch beim ersten Hördurchlauf in nicht mal einer halben Stunde über mich hereinbrach, war nicht weniger als eines der besten drei Alben in diesem Jahr.

Bemerkenswert ist, dass es sich gleichzeitig um das erste Lebenszeichen der Band seit deren Gründung 2015 handelt. Man hat sich also ganz bewusst die Zeit genommen, um das Material mit dem nötigen Feinschliff zu versorgen, so dass es uns nun mit einer Urgewalt um die Ohren gedonnert wird. Die Mischung aus Black und Death Metal ist, im Gegensatz zum Stil sehr vieler anderer Bands, nicht rumpelig oder düster oder abgrundtief böse. OMNIPOTENCE packen den Hörer mit einer Produktion, die vor allem eines hat: EIER! Dabei klingt der Sound weder glattgebügelt, sondern hat Ecken und Kanten und ist im besten Sinne des Wortes rauh und trotzdem beinahe schon mit einer Epik ausgestattet, die es schwer macht zu begreifen, was da gerade über dich hinwegrollt.

Die Riffs fliegen messerscharf um die Ohren, Lead und Rhythmus-Gitarre sind einwandfrei voneinander zu unterscheiden, der Bass drückt extrem angenehm unaufgeregt in die Magengrube und die Drums (für mich das A und O einer jeden Produktion) sind genau richtig abgemischt. Kein Böllern im Vordergrund, kein undifferenziertes Klopfen von weit hinten, sondern so, wie es sein soll: Dominant, aber immer den Gesamtsound im Blick.
Das Riffing erinnert immer wieder an Bands der melodischeren Richtung im griechischen Black Metal, was schon den nächsten Pluspunkt darstellt, da die erwähnte Epik so noch mehr zum Tragen kommt. Das ganze wird vermischt mit Einflüssen der schwedischen schwarzen Schule.  Die nur miminal ein Stück weiter nach hinten gesetzten Black Metal-Vocals runden den positiven Eindruck ab. Das alles unter einem Fundament aus klassischem Death Metal ergibt “Praecipitium”.

OMNIPOTENCE // © 2018 Omnipotence

Dabei ist dieses Album alles andere als der Abgrund, den uns sein Titel suggerieren möchte. Fast schon trägt es dich in die Höhe, und das von der ersten Note des Openers “Paths to oblivion” an. Man bewegt sich zumeist im oberen Midtempo, zieht stellenweise das Tempo aber auch schon mal an. Dabei sind die Übergänge bei den Tempiwechseln gekonnt und immer songdienlich gesetzt, was vor allem in “Composite forms of sound and thought” gut zu erkennen ist. Interessant ist auch zu beobachten, dass, obwohl die Songs deutlich voneinander abgegrenzt sind, es keine merkenswerte Übergänge zu geben scheint. So wirken der eben genannte Track sowie das folgende “The emptiness that breathes” fast wie aus einem Guss und erzeugen somit einen ungeheuren Sog, der dich tief in die Musik hineinzieht. Vor allem die Verquickung der Stile tut ihr Bestes, dich zwischen eisiger Kälte und angenehmer Wärme zu tragen und öffnet mit jedem neuem Track eine andere Welt, die trotzdem ein Teil des großen Ganzen ist. So geschehen im vorletzten der fünf Tracks: “Lethiferous” ist ein Paradebeispiel für die Emotionen, die sich während der Hörens sowohl des Songs als auch des kompletten Albums entwickeln. Komplett in die Höhe getragen und dort verweilend wird man allerdings mit dem abschließenden “Beyond the boundaries of being”, welches zu den besten Tracks gehört, die ich seit langer, langer Zeit gehört habe und an den ich mich auch in vielen Jahren noch ohne Schwierigkeiten erinnern werde. Sei es der Melodie wegen, sei es wegen der beinahe perfekten Dynamik im Song selbst: Alleine diese acht Minuten sind den Kauf von “Praecipitium” mehr als nur wert.

Als Fazit bleibt mir da schlicht und ergreifend nur zu sagen: Wer auch nur einen Funken Verstand hat, wird sich dieses Album noch am Erscheinungstag kaufen und im Anschluss für womöglich sehr lange Zeit nicht mehr viel anderes hören wollen. Ich bin restlos begeistert von “Praecipitium” und hoffe inständig, dass der Band eine große Zukunft und vor allem ein hohes Maß an Bekanntheit zuteil wird. Verdient hätte sie es. In diesem Sinne: PFLICHTKAUF!!! +++ 9,5 / 10 Punkten

OMNIPOTENCE // © 2018 Omnipotence

OMNIPOTENCE – Praecipitium
Black / Death Metal from Canada
Iron Bonehead Productions
Running time: 28:31 minutes
Release date: December 7th, 2018

shop.ironbonehead.de
ironboneheadproductions.bandcamp.com

Review © 2018 Beatrice Sophia von Siedler / Black Salvation

NECROHOLOCAUST – Laudem Antichristus

Necroholocaust – Laudem Antichristus // Cover (C) 2018 Iron Bonehead Productions / Necroholocaust

Short Review

Die ab heute eingeführte Rubrik “Short Reviews” wird eröffnet von einer ebenso kurzen wie intensiven EP der kanadischen Blackgrind-Institution NECROHOLOCAUST. Seit 2003 veröffentlicht man regelmäßig jede Menge Split-EPs und hat 2014 mit “Holocaustic Goat Metal” ein beachtliches Debüt in der Schnittmenge aus Black und Death Metal eingespielt. Rechtzeitig zum vom 01. bis 03. Novenber 2018 stattfindenden Never Surrender Festival in Berlin, welches unter anderem von Iron Bonehead Productions, dem Label der Kanadier, durchgeführt wird, veröffentlicht man am 01. November die neue EP “Laudem Antichristus”.

Und die führt auf gewohnt hohem Niveau die bisherige Marschrichtung fort und bietet genau das, was man von dem Quartett erwartet: kompromisslose Eruptionen aus Bestial War Black Metal, immer durchsetzt von typischem Death Metal-Riffing, was der Track der A-Seite, “Heaven burns God failed”, auch unmissverständlich klar macht. Und gerade dieses Riffing sorgt dafür, dass der Bandsound seine unverkennbare Grind-Schlagseite erhält. Und die steht der Truppe ausgezeichnet zu Gesicht und wirkt nicht so aufgesetzt wie bei vielen anderen Bands gleicher Coloeur. Auch scheut man sich nicht, das Tempo stellenweise zurückzufahren, was “Nuclear whore”, der B-Seite der EP, umso mehr Durchschlagskraft gibt. Von Vorteil ist natürlich auch die knüppelharte, aber saubere Produktion, die dem Ganzen noch die Krone aufsetzt.

Die knapp neun Minuten sind also ein gelungener Appetizer auf kommende Taten, insbesondere natürlich auf das erwähnte Festival. Und wer seinen Black Metal roh und grindig mag, der macht hier sowieso nichts falsch. Die EP kann man sich also guten Gewissens ohne Weiteres ins Regal stellen. KAUFEMPFEHLUNG! +++ 8 / 10 Punkten

(C) 2018 Necroholocaust

NECROHOLOCAUT – Laudem Antichristus
Black / Death Metal from Canada
Iron Bonehead Productions
Running time: 8:44 minutes
Release date: 01.11.2018

www.bandcamp.com
shop.ironbonehead.de

VALDRIN – Two Carrion talismans

Valdrin – Two Carrion talismans // Cover (c) 2018 Blood Harvest Records / Valdrin

Es ist schon spannend: Rein von der Menge her habe ich das Gefühl, dass es in diesem Jahr weniger spannende Alben gibt, als es noch in den letzten ein, zwei Jahren der Fall war. Und bis auf ein, zwei Ausnahmen hat mich bisher auch noch kein Album so recht an die Wand drücken können (Watain und Abigor lassen wir mal außen vor). Und dann landet vor einigen Tagen das Zweitlingswerk der US-Amerikaner VALDRIN in meinem Postfach und tut genau das: “Two Carrion talismans” erschlägt dich mit solcher Wucht, dass man gar keine andere Möglichkeit mehr hat, als sich das Album immer und immer wieder anzuhören. Dabei war bereits der Vorgänger “Beyond the forest” 2014 ein beachtlicher Einstand – der allerdings komplett an mir vorbei gerauscht ist. Und zwar aus einem Grund: In jener Zeit war alles, wo auch nur etwas von Synths oder Keyboards als untermalendes Stilmittel erwähnt wurde, ein rotes Tuch für mich. Das hat sich in den letzten 20 Monaten – auch dank BLACK SALVATION – bis zu einem gewissen Grad geändert.

VALDRIN sind ein perfektes Beispiel dafür, wie man den Songs mit der richtigen Dosis oder besser gesagt dem richtigen Einsatz von Synths sowohl Wucht als auch Atmosphäre verleihen kann, ohne dass die für den Stil so notwendige Aggression verloren geht. Dies war auf dem Debüt schon so gut umgesetzt, dass es mich im Nachhinein ärgert, dem Album keine Beachtung geschenkt zu haben. Mit “Two Carrion talismans” kann ich das zum Glück noch gerade biegen; denn neben dem Einstand der Schweden Malakhim Ende des letzten Jahres hat mich in den letzten zwölf Monaten keine neuere Band so sehr beeindruckt wie jetzt VALDRIN.

(c) 2018 Valdrin

Unheilvolles Trommeln, das Ziehen eines Schwertes – So eröffnet man im Opener “Junnatox” den knapp 44 Minuten langen Reigen an geschwärztem Death Metal der Extraklasse. Dabei zieht man sofort das Tempo ordentlich an, ohne direkt in Blasts zu verfallen. Die bereits erwähnte, allgegenwärtige Synth-Untermalung tut ihr Übriges, um direkt eine Atmosphäre zu schaffen, in die man sich ohne Weiteres fallen lassen kann. Dabei hilft vor allem die sehr nuancierte, aber brutale Produktion des Albums. Jedes Riff, jeder Hit auf die Snare ist deutlich zu unterscheiden; der Bass drückt unscheinbar, aber wirkungsvoll auf die Magengrube; die Kickdrum sowie die Snare sind sehr trocken und dadurch umso effektiver für diese Art von Death Metal produziert. Lediglich die Becken hätten ein wenig mehr Raum benötigt, aber das ist meckern auf hohem Niveau. Denn gerade ein Track wie der dem Opener folgende, “Nex – The barren sculptor”, zeigt durch das leicht zurück genommene Tempo, dass man den Beckensound gar nicht so sehr vermisst. Auch hier sind in den Breaks die Synths wieder sehr dominant und geben dem Spannungsbogen des Albums die nötige Richtung.

Das bereits im Vorfeld vorgestellte “Sinews of blood and vein” wird durch ein Intro eingeleitet, dass man durchaus auf ältere King Diamond-Platten hätte setzen können oder auch in alte Horrorschinken der Siebziger-Jahre. ‘Spooky’ ist da wohl das treffende Adjektiv, das man allerdings direkt wieder durch die einsetzenden Midtempo- bis Uptempo-Strukturen wieder relativiert. Und schon nach diesem guten ersten Drittel des Albums lässt sich vorweg eines sagen: Songwriting kann das Quartett! Was man mit dem ersten Höhepunkt des Albums, “Funeral tides of Orcus”, auch unter Beweis stellt, da man hier die ganze Palette an Kreativität innerhalb der selbst gesetzten stilistischen Grenzen ausschöpft. Dabei sollte man das Wort ‘Grenzen’ nicht allzu wörtlich nehmen. Denn obwohl man sich vor allem in der Schnittmenge aus Black und Death Metal befindet, sind die Elemente aus dem Death Metal zwar die dominantesten; jedoch werden diese so eingesetzt, dass man stellenweise das Gefühl hat, man würde es hier mit einer Gruppe aus dem Melodic Black Metal zu tun haben. Das hört man auch nicht alle Tage. Und wenn man diese Stilvermengung so kunstvoll ausführt, wie das VALDRIN tun, und zudem der konzeptuelle Aspekt des Albums sowie des bisherigen Schaffens auf einen selbstgeschaffenen Mythos beruhen, dann kann man guten Gewissens vor allem von einem sprechen: Eigenständigkeit!

Die ist in der heutigen, fast unüberschaubaren Masse an Bands auch bitter nötig, so dass man das doch sehr direkte und weniger verspielte “Tempest torn asunder” (der zweite vorab vorgestellte Track) als zwar nicht direkt gewollten, jedoch wirkungsvollen Mittelfinger an gewisse Bands verstehen kann, die stur und ohne jegliche Abwechslung im Songwriting ihr Ding durchziehen – und zwar auf Kosten von Individualität, Spannung und dem, was unsere Szene einmal ausgemacht hat: den Drang, Neues zu schaffen. Der Track selbst nimmt ab ungefähr der Hälfte das Tempo schlagartig raus und fügt nach einer kurzen Ruhepause das beste Break des ganzen Albums ein, bevor man den Track schließlich ausfaden und nahtlos in das Intro zu “Vesper in the animus lair” übergehen lässt. Dieses nun folgende, letzte Drittel des Albums hätte man so nicht besser einleiten können. Generell ist es schön zu sehen, wenn Bands zum Ende der Spielzeit ihrer Alben auf die Höhepunkte zusteuern und alle Elemente ihres Sounds zu einer Collage verschmelzen, die die lyrisch beschriebenen Bilder im Kopf zu einem Gesamtkunstwerk erheben. Synths, die sowohl orchestral als auch zutiefst okkult tönen, eine nur sparsam eingesetzte Doublebass-Arbeit und Riffs, die die Synths sowohl untermalen, führen und begleiten.

So kommt man schließlich, völlig versunken in das Werk, zum vorletzten Track auf “Two Carrion talismans”, “Crimson blades in the Ausadjur wake”. Schon lange habe ich nicht mehr einen so schlüssigen Albumcloser gehört, der sogar klarem, unverzerrtem Gitarrenklang viel Raum einräumt und unter Beweis stellt, dass auch der Sänger neben dem Black Metal-typischen Keifen auch eine angenehm dunkle, natürliche Stimme hat. Die Melodieführung sowie der Track selbst erinnern phasenweise durchaus an Watain zu “Lawless darkness”-Zeiten. Und das ist sicher eine der besten Referenzen, die man einer Band zukommen lassen kann. Das Outro “Awaiting in the spirit genome…” ist das zwar unspektakulärste Stück des Albums, jedoch ist es in seiner fast meditativ wirkenden Art der perfekte Kontrapunkt zu all der Aggression der vorigen sieben Tracks. Der erneute Druck auf die Play-Taste ist da nur die logische Konsequenz, um sich ein ums andere Mal in den Malstrom zu begeben, den “Two Carrion talismans” darstellt…

Abschließend kann man nur noch eines sagen: Um die musikalische Zukunft VALDRIN’s mache ich mir keine Sorgen. Das Niveau ist schon jetzt so hoch, dass damit mühelos schon lange etablierte Bands locker an die Wand gespielt werden. Wir haben hier eine absolut eigenständig klingende Band, die sich deutlich von anderen Bands abhebt und mal eben eines der besten Alben des Jahres vorgelegt hat. Ich wünsche der Band vor allem eines: Dass sich ihr Bekanntheitsgrad endlich erhöht, den hat sie mit dieser Vorlage namens “Two Carrion talismans” mehr als verdient! PFLICHTKAUF!!! +++ 9,5 / 10 Punkte

Ab dem 28.09.2018 könnt ihr euch das Album entweder als CD oder LP in eure Plattenregale stellen; beide Versionen sind auf 500 Exemplare limitiert. Für die ganz alte Schule wird es das Album auch als auf 100 Stück limitiertes Tape geben. Die Möglichkeit, das Album digital über Bandcamp zu erwerben, gibt es zwar auch. Aber bei einem Klassealbum wie diesem gilt dabei: Schämen!

(c) 2018 Valdrin

VALDRIN – Two Carrion talismans
Blackened Death Metal from the USA
Blood Harvest Records / Helter Skelter Productions
Running time: 43:18 minutes
Release date: 28.09.2018 (all formats)

www.bandcamp.com (Valdrin)
www.bandcamp.com (Blood Harvest)
www.bloodharvest.se (Shop)

PESTLEGION – Entsage Gott

Copyright: Bleeding Heart Nihilist Productions / Pestlegion
Copyright: Bleeding Heart Nihilist Productions / Pestlegion

Wer Black Metal-Bands im Jahr 2018 noch den Vorwurf macht, sie klängen zu rückwärtsgewandt, der hat wohl eher nicht verstanden, dass die Zeit avantgardistischen Aufbruchs längst vergangen ist und sich im ‘echten’ Black Metal auch nicht durchsetzen konnte. Und das ist auch gut so, da man einer Band wie dem Marler Viergestirn PESTLEGION sonst nicht die nötige und mittlerweile auch verdiente Aufmerksamkeit schenken würde. Bereits im letzten Jahr konnten sie mit ihrem Debüt “Dominus profundum” für viele respektvoll hochgezogene Augenbrauen sorgen und einige recht hohe Wertungen einheimsen (unter anderem 8 Punkte hier auf Black Salvation). Nach wie vor gibt es ihn also: den Wunsch, räudigen und kompromisslosen Black Metal zu zelebrieren und sich dabei einen Dreck um irgendwelche Szenekonformitäten zu scheren. „PESTLEGION – Entsage Gott“ weiterlesen

BLYH – Transparent to the world

Copyright: The Crawling Chaos Records / Blyh - Image shows vinyl cover
Copyright: The Crawling Chaos Records / Blyh – Image shows vinyl cover

Es ist manchmal schon wirklich komisch: Da bekommt man ein sensationell gutes Debüt auf den Tisch und hat dann eine absolute Schreibblockade. Seit BLYH im Juni letzten Jahres ihr Demo “Transparent to the world” im Eigenvertrieb über Bandcamp sowie wenige Wochen später als schickes Tape veröffentlichten, ringe ich um die passenden Worte. Mit keinem Entwurf war ich zufrieden, und je länger ich daran saß, desto mehr verbiss ich mich in die Wortfindung. Dass so ein Prozess nicht von Erfolg gekrönt sein kann, sollte jedem klar sein, der selbst schon einmal vor diesem Problem gestanden hat. Die Monate gingen ins Land, gezeichnet von privaten Veränderungen, erneuten gesundheitlichen Problemen (so ein Hirntumor ist schon etwas ganz schön Beschissenes) und schlussendlich noch Stress in der Kanzlei, in der ich arbeite. Als es Anfang diesen Jahres dann endlich ruhiger wurde und ich Anfang März die anstehende Vinyl-Veröffentlichung von “Transparent to the world” als vollwertiges Debüt zum Anlass des Reviews nehmen wollte, kam die nächste Scheiße: „BLYH – Transparent to the world“ weiterlesen

JÖRMUNGAND – Zwischenwelten

Copyright: Jörmungand
Copyright: Jörmundgand

Es kommt ja nicht besonders oft vor, dass man mich noch überraschen kann mit Releases, die man so gar nicht auf dem Schirm hatte. Zu oft ist das dort Gebotene zwar richtig gut, allerdings fehlt der letzte entscheidende Funken Kreativität (im besten Falle Originalität), um aus der riesigen Masse an Veröffentlichungen herauszuragen. So erging es 2014 auch dem Debüt “Von Wind und Schatten” der aus Köln stammenden JÖRMUNGAND, die mit eben jenem Album ein zwar solides Stück Musik in der Schnittmenge von Viking, Folk und Pagan Metal veröffentlichten, das stellenweise aber noch zu unausgegoren klang, um einen tieferen Eindruck zu hinterlassen. Was damals bereits sehr positiv herausstach, waren die nicht ganz so klischeebeladenen Texte sowie der Verzicht auf die für das Genre leider so übliche Kirmesatmosphäre. Wer sich ein bisschen intensiver mit dem Album auseinandersetzte, erkannte schon die Fähigkeiten, die da noch unter der Oberfläche schlummerten und die man nun mit dem im März erscheinenden Zweitling “Zwischenwelten” zur vollen Blüte bringt. Stilistisch hat man sich vom Viking Metal gelöst und auch der Folk-Anteil ist nun weitestgehend einer eher progressiv ausgerichteten Melange aus angeschwärztem Black Metal sowie orchestralen Arrangements gewichen, die extrem gut in Szene gesetzt ist, wie man im Folgenden noch lesen wird.

Der erste Blick gilt der visuellen Aufmachung. Hier wurde sehr viel Liebe investiert, um nicht nur den Albumtitel, sondern auch die einzelnen Tracks bildlich zu gestalten. Jeder Text hat sein eigenes Motiv erhalten, so dass dadurch auch eine ganz eigene Bildersprache zur Geltung kommt, die in Verbindung mit den ausgezeichneten Lyrics zum lange Verweilen einlädt. Das lyrische Konzept des Albums ist meines Wissens nach im Metal absolut einzigartig. Denn mir ist keine andere Band bekannt, die Michael Ende’s “Die unendliche Geschichte” als Metapher verwendet für das Entstehen, Entwickeln und Vergehen eines Menschenlebens. Da dieser Kreislauf des Lebens auch die Intention ist, die hinter dem Buch steht, finde ich es umso faszinierender, wie man die sehr bildhafte Sprache des Autors mit dem eigenen Konzept verwebt, ohne dabei konkret irgendwelche Schauplätze, Personen oder spezielle Handlungsstränge zu verwenden. Mit jedem neuen Bild, mit jedem neuen Text erschließen sich jedoch sofort die zugrunde liegenden Inspirationen.

Mit sehr ruhigen Tönen steigt man in den Opener “…und es wird Tag” ein. Schon diese ersten 90 Sekunden machen deutlich, dass man atmosphärisch ein ganzes Stück reifer geworden ist als noch zu Debüt-Zeiten. Sobald man elektrisch verstärkt endlich so richtig loslegt, wird dieser Eindruck sogar noch verstärkt: Denn nicht nur als reine Band ist man gewachsen, auch die immer wieder durchschimmernden Orchester-Arrangements sind äußerst schlüssig in den Sound integriert und erinnern mich in ihrer Schönheit zum Teil an das letzte Skyforest-Album, “Unity”. Ein weiterer Punkt, der sofort positiv heraussticht, ist das durchdachtere Songwriting, dass die Songs sehr leicht zugänglich macht, allerdings mit sehr vielen verspielten Momenten arbeitet, die man alle erst nach und nach entdeckt. Die Tracks fließen zudem nahtlos ineinander über, so dass man beinahe keinen Übergang spürt. Man befindet sich daher plötzlich im “Morgenrot”, dass vor allem mit dem recht früh eingefügten, sehr stillen Part, sowie den klaren Leads punkten kann. Viele ähnlich gelagerte Bands machen in solchen Momenten oft den Fehler, alles mit Kitsch und Pathos (oder noch schlimmer: Kirmesmusik) zu füllen, was letzen Endes weder der Musik an sich noch der Stimmung gerecht wird, die man doch eigentlich kreieren möchte. JÖRMUNGAND dagegen schaffen es gerade in den zurückgenommenen Phasen mit einer dann nur noch sehr spärlichen Instrumentierung für ein fast schon erhabenes Gefühl zu sorgen. Die Texte sorgen somit in den reinen Metal-Momenten als stilistisches und sinnvolles Stilmittel. Und gerade wegen des oben beschriebenen Konzepts funktionieren diese zusammen mit der Musik wie eine unteilbare Einheit, was sich auch in “Ruf der Vergängnis” niederschlägt. Was mir generell sehr gut gefällt, sind die zwar nach wie vor Black Metal-lastigen Vocals, die aber dennoch sehr gut verständlich sind, auch wenn man kein Textblatt in der Hand hat. Man muss sich eben die Mühe machen und sich intensiv mit dem Album beschäftigen. Dann kann man sich nach einer Weile so richtig in das Album fallen lassen und empfindet nur noch Freude darüber, soviel Zeit in ein einfach nur wunderschön zu nennendes Album zu stecken; immer und immer wieder. Und lange, akkustische Parts wie die letzten beiden Minuten in diesem Track zeugen zudem vom gewachsenen Selbstbewusstsein der Musiker. “Zu hohen Himmeln” beeindruckt durch die Fülle an Material, dass man in diese fünf Minuten hat einfließen lassen. An den Klargesang muss man sich zwar erst ein wenig gewöhnen, dazu bedarf es jedoch nur einiger weniger Durchläufe.  Ein wenig leichter zugänglich, jedoch nicht weniger anspruchsvoll ist “Werdegänger”, dass durch sein stellenweise doch recht modernes Riffing, das konsequente Midtempo inklusive ausgezeichneter Doublebass-Arbeit und einigen geschickten Breaks besonders live zünden wird. Wie man unschwer auch am folgenden Video sehen kann.

Das Instrumental “In Hallen stummer Worte” ist schließlich ein reines Orchester-Arrangement. Besonders dieser Track ist es, der mich ganz persönlich für dieses Album eingenommen hat, da gerade ein solches Stück die Qualität einer Band unter Beweis stellt. Wer zudem epische Soundtracks zu schätzen weiß, wird ebenfalls mit diesem Track seine helle Freude haben (und dass es davon viele in der ganzen Metalszene gibt, wird wohl auch jeder wissen). Man mag es fast nicht glauben, doch nun setzt langsam das letzte Albumdrittel ein, eingeläutet durch “Dämmerung”: Selten habe ich Geigenklänge so gut akzentuiert im Pagan Metal gehört, ohne dass es nach peinlichem Gefiedel geklungen hat. Sehr schön (irgendwie fällt dieses Adjektiv sehr oft in diesem Review). Auch die eingestreuten Leads klingen wieder sehr gekonnt und schlüssig in den Track integriert. Den “Neumond” leitet ein erneut langes, akkustisches Intro von zwei Minuten ein. Und das gehört mit zu den schönsten Momenten auf “Zwischenwelten”. Denn das Songwriting erreicht einen weiteren Höhepunkt durch den Einsatz so vieler verschiedener Stimmungen, die einen fast schon schwindeln lassen. Schnelle Passagen wechseln sich mit Midtempo ab, klare Leads sorgen für die außergewöhnliche Atmosphäre, die immer zwischen Melancholie und Epik schwebt. Der eingesetzte weibliche Klargesang wirkt nicht aufdringlich oder nach Heldenjungfrau und selbst die kurz eingesetzte Flöte hat nichts versoffen fröhliches an sich, sondern dient nur als kleiner Farbtupfer in dem eh schon monumentalen Gemälde. Das findet seinen Abschluss im finalen “Requiem”: Ein zehneinhalb Minuten dauernes Stück unglaublich intensiver Schönheit. Nicht nur verbindet man die Essenz des kompletten Albums in ein Ganzes, sondern schließt auch texlich den Kreis zum Opener.

Es ist unfassbar, was in dieser Stunde Musik mit mir angerichtet wurde: Da befinde ich mich dank der aktuellen Alben von Watain und Abigor in den tiefsten Niederhöllen und werde durch “Zwischenwelten” für einen kurzen Moment wieder an die Oberfläche gezogen. Und dieses Verweilen im Lichte war nur allzu gut: Die gewaltige visuelle Kraft, die durch die Texte und die Musik erschaffen wird sowie die damit verbundenen Arrangements der Musik selbst sind einfach nur bar jeder Krititk und bis hin zur Umsetzung der physischen Verpackung dieses Inhalts wert, von jedem zumindest mal ausgiebig angetestet zu werden. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann das letzte Mal eine Band einen so gewaltigen Sprung vom ersten Album zu dessen Nachfolger gemacht hat. Wer hier nicht zugreift, wird eines der ganz großen Alben des Jahres 2018 (und gut möglich darüber hinaus) verpassen. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, das Endprodukt in Händen zu halten. PFLICHTKAUF!!! +++ 9 / 10 Punkten

So wie es im Moment aussieht, wird “Zwischenwelten” wohl komplett als DIY-Produkt in den Eigenvertrieb gehen. Ab dem Release-Tag könnt ihr das Album daher über den Bandcamp-Shop der Band erwerben.

Copyright: Jörmungand
Copyright: Jörmungand

JÖRMUNGAND – Zwischenwelten
Progressive / Blackened Pagan Metal from Germany
Label / Vertrieb: Independent / Bandcamp (Download)
Running time: 65:47 minutes
Release date: 16.03.2018 (all formats)

www.bandcamp.com

FUNERAL WINDS – Sinister creed

Copyright: Avantgarde Music / Funeral Winds
Copyright: Avantgarde Music / Funeral Winds

Es gibt Bands in unserem so heißgeliebten Genre, die alle ein bis zwei Jahre ein neues Album veröffentlichen. Dann gibt es Bands wie FUNERAL WINDS, die in den nächsten Wochen mit “Sinister creed” ihr gerade mal viertes Album veröffentlichen. Dabei existiert die Gruppe bereits seit 1991 (das Debüt erschien 1998). Von Beginn an zeichneten sich die Holländer dabei durch ihre kompromisslose Art aus, die sie in die Riege der ‘Love-it-or-hate-it’-Bands stoßen ließ. Man agiert immer ziemlich nah an der Grenze zwischen traditionellem Black Metal und War Black Metal (obwohl man den Begriff ja erst seit gut einem Jahrzehnt quasi als Untergenre verwendet) und bedient somit die Klientel in der Szene, denen Aggressivität über ausgefeilte musikalische Komposition geht. „FUNERAL WINDS – Sinister creed“ weiterlesen

VARGRAV – Netherstorm

Copyright: Werewolf Records / Vargrav
Copyright: Werewolf Records / Vargrav

Nimmt man als Black Metal-Fan das Wort “Symphonic Black Metal” in den Mund, beginnt oftmals das große Rumgekotze: Nicht trve, macht die Szene kaputt, Schlumpfmusik, pseudo-anspruchsvoller Ausdruck romantischen Gefühlsdusels etc. Und wer die Neunziger mitgemacht und erlebt hat, wie sich Black Metal vom rohen und ungezügelten Sound der Frühneunziger immer mehr in Richtung kommerzieller Weichgespültheit hat treiben lassen, einige Bands relativ große Erfolge feiern konnten und die heute nicht mehr viel mit ihren ersten ein, zwei Alben zu tun haben, kann diese verbalen Auswürfe auch nicht unbedingt übelnehmen. Gerade der Einsatz von vielen symphonisch arrangierten Keyboardschichten und “schönen” und leicht zugänglichen Melodien machten den Begriff “Symphonic Black Metal” zu einem absoluten Tabuthema in der ‘ernstzunehmenden’ Szene. „VARGRAV – Netherstorm“ weiterlesen

THE STONE – Teatar apsurda

Copyright: Mizantropean Records / The Stone
Copyright: Mizantropean Records / The Stone

Die Serben THE STONE gehören zu den Bands, die seit zwei Dekaden konstant Alben veröffentlichen, aber immer noch irgendwie unter ‘ferner liefen’ abgehakt werden. Sicher, für den Underground ist man nicht ‘trve’ genug und für die große Masse nicht wirklich zugänglich. Dabei macht man eigentlich alles richtig im Hinblick auf einen größeren Hörerkreis: Man hat durchweg gutes bis sehr gutes Songmaterial zu bieten, kann live durchaus überzeugen und merkt den Musikern an, dass man aus Überzeugung diese Art von Musik spielt. Wie dem auch sei: Werfen wir lieber einen Blick auf das aktuelle Album, “Teatar apsurda”, dass im vergangenen Dezember erschien und mit einer richtig starken Produktion aufwarten kann. „THE STONE – Teatar apsurda“ weiterlesen