Celebrations of Life and Death

AU CHAMP DES MORTS – Dans la joie

Copyright: Au Champ des Morts
Copyright: Au Champ des Morts

Frankreich galt ja noch nie sonderlich als Hochburg für wirklich erstklassigen Black Metal. Zu experimentell, zu avantgardistisch und stellenweise sogar zu belanglos klangen viele der Bands (und als Halbfranzösin sage ich das wirklich nicht gern). Seit sich der Black Metal jedoch vor einigen Jahren zu modernisieren begonnen hat und seitdem immer mehr genrefremde Einflüsse in das ursprüngliche Klanggerüst einfließen und dies von zum Teil hochtalentierten Musikern bewerkstelligt wird, sieht es in dieser Hinsicht ganz anders aus. Bestes Beispiel sind die seit gerade mal 2014 aktiven AU CHAMP DES MORTS aus Clermont-Ferrand, die Ende Januar ihr Debüt “Dans la joie” veröffentlichten. Dem vorausgegangen war 2016 eine EP namens “Le jour se lève”. Bereits da war zu erkennen, dass die Mischung aus atmosphärischem Black Metal, Post-Rock-Elementen sowie von Anleihen aus dem Post-Black Metal extrem stimmig wirkt. „AU CHAMP DES MORTS – Dans la joie“ weiterlesen

UNRU – Als Tier ist der Mensch nichts

Copyright: Unru
Copyright: Unru

Gerade erst haben Wind in His Hair ihre Debüt-EP veröffentlicht, auf der sie zeigen, dass man Black Metal durchaus ansprechend mit Crust verbinden kann, ohne dass dadurch große Stilbrüche erzeugt werden. Bereits seit 2012 jedoch experimentieren die Bielefelder UNRU mit diesen Elementen, was sie quasi zu den Pionieren in diesem noch recht jungen Soundgefüge macht. Nach einer Demo, zwei Split’s und einer Single legte man bereits im vergangenen März das Debüt-Album “Als Tier ist der Mensch nichts” vor. Die 36 Minuten sind ein wahrer Ausbund an Experimentierfreude, wie gleich zu Beginn der Opener “Zerfall & Manifest” beweist, in dem beinahe ambient-artige düstere Klänge auf fast verstörend zu nennenden Black Metal trifft. „UNRU – Als Tier ist der Mensch nichts“ weiterlesen

HEIMDALLS WACHT – Geisterseher

Copyright: Heimdalls Wacht
Copyright: Heimdalls Wacht

Mit “Geisterseher” legten die Nordrhein-Westfalen bereits im Oktober 2016 ihr mittlerweile siebtes Studioalbum vor, welches in der gewohnten Schnittmenge zwischen Pagan und Black Metal liegt. Dabei befindet sich der Fokus eindeutig im Pagan-Bereich, ohne dass hier mit albernem Schnickschnack wie Folk-Instrumenten (welche sowieso nur zu einer Handvoll Bands passen), Keybords oder hymnischem “Eiergesang” gearbeitet wird. Im Gegenteil kann man die Truppe eher mit Bands wie Obscurity oder Aaskereia vergleichen, wobei der Grundsound stellenweise doch ein wenig düsterer ausfällt. Zudem hat Andy Claasen in seinen Stage One Studios mal wieder ganze Arbeit geleistet und einen druckvollen, ausdifferenzierten Sound gezimmert, der von der ersten Note des Openers an (der gleichzeitig auch der Titeltrack ist) mächtig Dampf macht und vorgibt, was man in der knappen Stunde Spielzeit zu erwarten hat. „HEIMDALLS WACHT – Geisterseher“ weiterlesen

WIND IN HIS HAIR – Earthwrecker

Copyright: Wind in His Hair
Copyright: Wind in His Hair

Es ist wirklich erstaunlich, welche Stilblüten man im Black Metal so findet. Mit den Berlinern WIND IN HIS HAIR haben wir nun einen Vertreter des atmosphärischen Black Metal, verbunden mit einer ordentlichen, aber nie dominierenden, Crust-Schlagseite. Interessant ist vor allem, dass man sich hier völlig Black Metal-untypisch mit Native American-Themen auseinandersetzt und der Wut auf die Gesellschaft freien Lauf lässt. Das hört man im extremen Metal eh nicht alle Tage in dieser Kombination (höchstens Unru fallen mir da spontan noch ein); von daher war auch meine Neugier schnell geweckt. Während das Intro “The guts of the land” noch ein Spoken-word-Track, untermalt von atmosphärischen Klängen ist, gibt man im folgenden “Sequoia” dann stellenweise richtig Gas. „WIND IN HIS HAIR – Earthwrecker“ weiterlesen

BONJOUR TRISTESSE – Par un sourire

Copyright: Bonjour Tristesse
Copyright: Bonjour Tristesse

Bereits 2011 erschien dieses großartige Album des bayerischen Ein-Mann-Projektes BONJOUR TRISTESSE auf dem mexikanischen Label Self Mutilation Services als CD und Download. Eine Neuauflage mit teilweise neu aufgenommenen und arrangierten Tracks (4-6), sowie remixed und remastered erschien 2015 über MDD Records. Supreme Chaos Records haben sich nun des Vinyl-Releases angenommen, der am 17.02.2017 erschien und schon jetzt so gut wie ausverkauft ist (was mich persönlich ganz schön frustriert, da ich sie mir durch die Umzugskosten gerade nicht mehr sichern konnte). Das spricht schon mal für die Klasse und Beliebtheit der doch sehr eng gesteckten Zielgruppe. Denn Mastermind Nathanael, den man aus Bands wie Thränenkind, Heretoir und Agrynie kennt, hat bereits mit “Par un sourire” seine musikalische Klasse unter Beweis gestellt und gezeigt, dass atmosphärischer Black Metal keine modernen Stilelemente braucht, um sich von der breiten Masse abzuheben. „BONJOUR TRISTESSE – Par un sourire“ weiterlesen

TODTGELICHTER – Rooms

Copyright: Todtgelichter
Copyright: Todtgelichter

Bald ist es also soweit. Im April werden die Hamburger Avantgardisten TODTGELICHTER ihr voraussichtlich letztes Konzert spielen. Da bisher noch nicht bekannt ist, wie es dann weitergehen soll, ist dieses Review ihres letzten Albums “Rooms” (erschienen im April 2016) schon mal ein leiser Schwanengesang auf eine der außergewöhnlichsten Bands im progressiven Black Metal. Zuvorderst sei gesagt, dass “Rooms” kein einfaches Album ist. Man muss sich damit beschäftigen, muss ihm Zeit geben, sich in all seinen Facetten entfalten zu können. “Rooms” ist kein Album, dass man mal eben so nebenbei hört. Es ist kein Album, dass man in der ersten Zeit oft hört und irgendwann nur noch bei passender Gelegenheit aus dem Regal zieht. “Kopfhörermusik” trifft das Ganze daher am Besten. Bereits der Opener “Ghost” ist so vielschichtig, dass man sich automatisch hinsetzt, unter die Kopfhörer klemmt und versunken den Klangkaskaden lauscht. „TODTGELICHTER – Rooms“ weiterlesen

THE OSSUARY – Post Mortem Blues

Copyright - The Ossuary
Copyright – The Ossuary

DOOM! Wohl die erhabenste Spielart im Metal und fast ebenso breit gefächert in den Stilen wie der Black Metal. Und während dieser meine Gefühle und Emotionen nach außen transportiert und mich zu dem Menschen macht, der ich bin, so kann man den Doom als meine Seele bezeichnen; als das Element, das stets vorhanden, jedoch weder von außen zu sehen oder zu spüren ist. Und seien wir ehrlich: Black Metal spielt und lebt man, aber Doom IST man. So könnte man fast davon sprechen, dass zwei Herzen, ach, in meiner Brust schlagen. Und ich ebenso im Doom-Underground wie im Black Metal wühle. Und da habe ich dieses gerade erschienene Debüt-Album der Italiener THE OSSUARY entdeckt und mir gestern gleich mal als Geburtstagsgeschenk gegönnt. Mit “Post Mortem Blues” liegt hier ein Album vor, dass man als Schnittmenge von Black Sabbath (die Riffs!), St. Vitus und Pentagram bezeichnen kann. Der Opener “Black curse” gibt dabei eindeutig vor, wohin die Reise in den kommenden 42 Minuten gehen wird. „THE OSSUARY – Post Mortem Blues“ weiterlesen

THE SHIVA HYPOTHESIS – Promo 2015

(You can find the english transcript of this review here)

Copyright: The Shiva Hypothesis
Copyright: The Shiva Hypothesis

Man muss es einfach sagen: Bands, die sich nach der Gründung ein paar Jahre Zeit lassen, bis sie sich an die Öffentlichkeit wagen, sind mir wesentlich sympathischer als solche, die Schnellschüsse veröffentlichen. So wie im Falle der Holländer THE SHIVA HYPOTHESIS, die drei Jahre im stillen Kämmerlein werkelten, bevor sie diese 20 Minuten angeschwärzten Todesmetalls auf die Menschheit losließen. Und auch hier muss ich (leider) zugeben, dass mir da fast wieder ein richtig toller Release durch die Lappen gegangen wäre. Grund genug also, die Jungs aus Enschede noch unter die Lupe zu nehmen, bevor sie (hoffentlich bald) ihr Debüt auf die Meute loslassen. Und was soll ich sagen? Ich bin beeindruckt von der Soundgewalt, die da im Opener “Caduceus” auf mich niedergeht. „THE SHIVA HYPOTHESIS – Promo 2015“ weiterlesen

GOATH – Goath

Copyrith: Goath
Copyright: Goath

In Kürze erscheint das Debüt-Album der Recken aus Nürnberg. Zeit also, sich mal mit dem selbstbetitelten Demo auseinanderzusetzen, das seit Dezember 2016 auch über Ván Records als LP (in rotem oder schwarzem Vinyl) zu beziehen ist. Bevor wir uns der Musik widmen, noch eine Anmerkung zum Logo: Warum zur Hölle ist vorher noch niemand auf die Idee gekommen, einen Ziegenbock in dieser Form in ein Logo einzubinden (und man lasse mich jetzt bitte in Ruhe mit irgendwelchen ziegenköpfigen Krachkapellen)? „GOATH – Goath“ weiterlesen

NEMESIS SOPOR – MMXL

Copyright: Nemesis Sopor
Copyright: Nemesis Sopor

Es erstaunt immer wieder, wie sehr sich der Black Metal seit seinen Ursprüngen in den frühen Achtzigern entwickelt hat. Vom mehr oder weniger unstrukturierten Krach bis hin zu atemberaubenden Klangkaskaden. Und dieses komplette Spektrum wird auch heute noch abgedeckt, was umso erstaunlicher ist, da in den meisten anderen Metal-Genres zeitweilig stets der eine oder andere Stil führend ist. Natürlich haben wir auch im Black Metal Fraktionen, die die eine oder andere Spielweise preferieren und dies bis hin zum “Elitedenken” treiben. Wo meine musikalischen Vorlieben liegen, dürfte mittlerweile ja eh bekannt sein. Ebenso aber auch, dass ich nicht davor zurückschrecke, immer Neues zu entdecken. In diesem Falle sind es NEMESIS SOPOR aus Dresden, die mit “MMXL” ihr bereits drittes Album vorlegen. „NEMESIS SOPOR – MMXL“ weiterlesen