Celebrations of Life and Death

UNGFELL – Tôtbringære

Copyright: Ungfell
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Aus der Schweiz kommen nicht nur leckerer Käse, noch schmackhaftere Schokolade oder CD’s mit den Daten von Steuersündern, sondern ab und an auch verdammt interessante Black Metal-Bands wie das Zürcher Duo UNGFELL, das stark 90er-Jahre-beeinflussten Black Metal in einer Mischung aus finnischer und norwegischer Raserei spielt, versetzt mit Einflüssen aus dem Folk. Dabei ist der Albumtitel „Tôtbringære“ nicht einfach nur als Aufhänger oder mehr oder weniger willkürlich gewählt. Denn die Texte beschäftigen sich auf morbide, aber künstlerische Weise fast ausschließlich mit Themen des Todes. Die Produktion ist extrem ungeschliffen und passt daher ebenfalls gut in diesen Gesamtkontext. Man kann das mögen oder auch nicht. Wer auf diesen rohen Sound steht, dem wird das Album alleine schon deswegen zusagen. „UNGFELL – Tôtbringære“ weiterlesen

NAGELFAR – Hünengrab im Herbst / Srontgorrth / Virus West – Re-releases

Copyright: Nagelfar
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Es gibt Bands, um die kommt man schlicht und einfach nicht herum, beschäftigt man sich mit Black Metal aus Deutschland. Die wohl einflussreichste und die am meisten Spuren hinterlassende war neben Lunar Aurora vor allem NAGELFAR. Bereits mit ihrem Debüt „Hünengrab im Herbst“ veröffentlichten die Nordrhein-Westfäler Ende 1997 ein Album, dass in der kompletten Szene bejubelt und sowohl von Tradionalisten als auch dem aufgeschlosseneren Teil der Szene hoch geschätzt wurde. Bemerkenswert ist das vor allem deswegen, da diese generell bereits hochzerstritten war und sich Elitisten und „normale“ Musikhörer, die den Black Metal lediglich als ein musikalisches Genre ansahen, indem man eben auch experimentieren durfte, spinnefeind gegenüber standen. Jede Gratwanderung wurde extrem kritisch beäugt und von der jeweiligen Seite entweder abgefeiert oder mit totaler Verachtung gestraft. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, machten es sich NAGELFAR nicht gerade einfach, indem sie Klargesang und eine extrem dichte Atmosphäre in ihren Sound einbrachten, was damals nicht gerade zum „trven“ Szenstandard gehörte. Die musikalische Entwicklung der Band in den Folgejahren bis zum Split kann man als durchaus spannend bezeichnen, da jedes der drei Alben zwar immer eindeutig als eines von NAGELFAR erkennbar war, man sich jedoch nicht auf eine allgemeine Formel reduzieren ließ.

„NAGELFAR – Hünengrab im Herbst / Srontgorrth / Virus West – Re-releases“ weiterlesen

NORNÍR – Urd

Copyright: Nornír
Copyright: Nornír

Der Underground brodelt: Egal, in welche Stilrichtung man schaut, man findet derzeit überall ein fast schon an Übermaß grenzendes Reservoir an fantastischen Bands. Und gerade am Black Metal wird das deutlich, der alleine in den letzten Monaten Woche für Woche hochklassige Releases hervorbringt. So auch die sächsische Black Metal-Horde NORNÍR, die am 03. März 2017 ihre EP „Urd“ veröffentlichen (das erste Lebenszeichen war im Juni 2015 das „Demo 2015“). Und eines sei gleich mal vorab gesagt: Wer auf glattgebügelten Sound steht, ist hier fehl am Platz. Hier herrscht vorangig der 90er-Jahre Black Metal norwegischer Prägung vor. Mit einer zwar sehr rauen Produktion, jedoch für heute Verhältnisse angepasstem Mix und Mastering. Man hört also alles recht differenziert heraus. „NORNÍR – Urd“ weiterlesen

GORTHAUR – Om Cmapцeв

Copyright: Gorthaur
Copyright: Gorthaur

„That is not dead which can eternal lie, and with strange aeons even death my die.“ Die Metalbands jeglicher Couleur, die sich textlich an Lovecraft heranwagten, sind Legion. Waren es in den Achtzigern Vertreter der NWOBHM, die Lovecraft’sche Themen als Fantasy-Kontext aufgriffen, einfach „weil das ja auch irgendwie zum Metal passt“, verlagerte sich die Thematik ab circa Mitte der Neunziger dann eher in den extremen Metal. Death Metal-Bands griffen und greifen konzeptuell gerne auf die Storys rund um den Cthulhu-Mythos, das Necronomicon (hat eigentlich mal jemand versucht, alle Bands dieses Namens zu zählen?) und generell den Kosmos der Großen Alten zurück und kreieren darum ein mal weniger, mal besser und manchmal ein richtig geiles Gesamtkonzept (und auch, wenn das viele nicht hören wollen: ja, ich halte Sulphur Aeon da im Moment für die eindeutig Besten). Zu den richtig guten Vertretern gehören die hessischen Schwarzmetaller von GORTHAUR. „GORTHAUR – Om Cmapцeв“ weiterlesen

SVAROG – V.A.L.E.

Copyright: Svarog
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Es erstaunt mich auch nach 25 Jahren immer wieder, wie viel Zeit und Energie manche bereits aufgelöste Band weiterhin in noch vorhandenes Material steckt, um dieses postum releasen zu können. Die Saarländer SVAROG, die von 2004 bis 2010 aktiv waren und in dieser Zeit vier Demos, eine Split sowie ein Full-length-Album herausbrachten, gehören zu dieser Sorte Bands. Mit „V.A.L.E.“ liegt nun ein Album vor, das Tracks aus der Zeit von 2009 bis 2010 enthält und einen guten Überblick über das Wirken der Band im Underground verschafft. Denn hier gibt es keinen angepassten, glattgebügelten Black Metal von der Stange. Sondern es gibt konsequent durchgehend aufs Fressbrett, wie man bereits im Opener „Elend“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. „SVAROG – V.A.L.E.“ weiterlesen

FJOERGYN – Lvcifer Es

Copryright: Fjoergyn
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Die Thüringer Avantgardisten in der Schnittmenge von Black Metal, Klassik und Avantgarde haben wieder zugeschlagen und präsentieren mit „Lvcifer Es“ ihr fünftes und wahrscheinlich ausgereiftestes und anspruchvollstes Werk. Schon der rein instrumentelle Opener „MMXVII“ schafft eine so dichte Atmosphäre, dass man gespannt auf den ersten echten Track, „Leviathan“, ist. Schon hier wird ein Sound kreiiert, der in der momentanen Szene absolut einzigartig ist. Der Wechsel zwischen rasendem Black Metal, Einflüssen aus dem melodischen Death Metal, immer wieder an Folk erinnernde Einschübe, die an klassische Musik angelehnte Struktur, zudem das abwechslungsreiche Riffing und die stets gut verständlichen, nur hin und wieder eingestreuten leicht angegrowlten Vocals machen klar, in welche Richtung es hier geht: Black Metal für den anspruchsvollen Gourmet, ohne dabei in allzu avantgardistische Gefilde vorzustoßen. „FJOERGYN – Lvcifer Es“ weiterlesen

FUNERAL STORM / CELESTIAL RITE – Funeral rite (Split)

Copyright: Funeral Storm / Celestial Rite
Copyright: Funeral Storm / Celestial Rite

Ich gebe zu: Es gibt Labels, bei denen kaufe ich Veröffentlichungen, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Qualität ist stets überdurchschnittlich gut, die komplette Aufmachung bilden zusammen mit der Musik eine Einheit und es gibt weder zu viel noch zu wenig. So wie im Falle von Iron Bonehead Productions, die gerade die Split-CD / -12″-LP der griechischen Black Metaller Funeral Storm und Celestial Rites herausgebracht haben. Die schlichte Aufmachung wird dem Release durchaus gerecht: der CD liegen im 4-seitigen Booklet die Texte bei, während sie bei der LP auf das Insert gedruckt wurden. Das ist schon mal sehr gelungen und stimmig. Das Cover ist für diese Art von Black Metal zwar etwas ungewöhnlich, aber dafür sind griechische Bands sowieso bekannt. Meine Neugier war also geweckt. „FUNERAL STORM / CELESTIAL RITE – Funeral rite (Split)“ weiterlesen

ABIGOR / NIGHTBRINGER / THY DARKENED SHADE / MORTUUS – Split

Copyright: Abigor / Nightbringer / Thy Darkened Shade / Mortuus
Copyright: Abigor / Nightbringer / Thy Darkened Shade / Mortuus

Austia’s finest ABIGOR beweisen mit diesem Split-Album einmal mehr, dass sie zu den innovativsten und unberechbarsten Vertretern im Black Metal zählen. Und obwohl jede Veröffentlichung der Band aus dem bezaubernden Wien anders klang, wusste man immer sofort, wer gerade in der Anlage rotierte, auch ohne vorher aufs Cover zu schauen. Von daher war im Prinzip von Beginn an klar, was man hier zu hören bekommen würde: Black Metal der anspruchsvolleren Art. Und man wird auch nicht enttäuscht. „ABIGOR / NIGHTBRINGER / THY DARKENED SHADE / MORTUUS – Split“ weiterlesen

WIEGEDOOD – De doden hebben het goed II

Copyright: Wiegedood
Copyright: Wiegedood

Es ist bemerkenswert, in welcher Spannbreite man heutzutage Black Metal antrifft. Da haben wir auf der einen Seite diejenigen, die strikt an den Ursprüngen in all ihrer Konsequenz von Sound und Auftreten festhalten; daneben stehen diejenigen, die sich zwar ebenfalls zur Musik und dem Lebensgefühl jener Ära hingezogen fühlen, das Gesamtbild jedoch aktuelleren Produktionen anpassen; dann wiederum gibt es Bands, die für eine Auffächerung des Genres sorgen und somit immer frischen Wind in die Entwicklung der Musik hineinbringen. Und letztlich haben wir Bands, die weder vom Auftreten, noch konzeptuell so richtig in eine der Richtungen passen. Eine dieser letztgenannten Bands sind die Belgier WIEGEDOOD, die man weder anhand der Promofotos noch der Artworks als Black Metal klassifizieren würde. „WIEGEDOOD – De doden hebben het goed II“ weiterlesen

THE RUINS OF BEVERAST – Takitum tootem! (Wardance)

Copyright: The Ruins of Beverast
Copyright: The Ruins of Beverast

THE RUINS OF BEVERAST gehören zu den Senkrechtstartern innerhalb der Black / Doom Metal-Szene. Dabei polarisieren die seit 2003 aktiven Aachener durchaus: Während sie vielen Black Metallern zu doomig und vielen Doom Metallern zu blackig sind, sind die Unterstützer absolut vom Konzept der Band überzeugt. Die große, breite Masse an Metallern – nun ja, die findet den Sound meist einfach zu dicht, zu atmosphärisch oder einfach jenseits von nachvollziehbarer Musik. Letzteres ist natürlich Unsinn. Denn was sich an Musikalität hinter dieser extrem dichten Atmosphäre (höhö) finden lässt, zeigte man zuletzt 2013 in „Blood vaults“. Das Album bekam so gut wie überall hohe bis überdurchschnittlich hohe Bewertungen (für mich war es definitiv ein Neun-Punkte-Album) und sicherte der Band ein hohes Maß an Anerkennung innerhalb der Szene. „THE RUINS OF BEVERAST – Takitum tootem! (Wardance)“ weiterlesen