Celebrations of Life and Death

GJENDØD – Nedstigning

(You can find the english transcript of this review here)

Copyright: Gjendød
Copyright: Gjendød

Zugegeben: Bands aus Norwegen, die in den „alten Hochburgen“ des Black Metal wie etwa Oslo, Bergen oder auch Trondheim beheimatet sind, haben automatisch einen Vertrauensvorschuß bei mir. So erging es mir auch im vergangenen Jahr, als ich das Demo dieses Trondheimer Duos in die Hände bekam (Review folgt an anderer Stelle). Die darauf enthaltenen Einflüsse reichten von alten Mayhem, Burzum, Ulver bis hin zu ganz alten Thorns, Manes oder Taake. Ich fand das Demo schon ausgezeichnet und war deshalb extrem gespannt auf dieses Debüt-Album. „GJENDØD – Nedstigning“ weiterlesen

ULTIMA RATIO – Cimmerian heritage – Eredità oscura

Copyright: Ultima Ratio
Copyright: Ultima Ratio

Italien ist ja nicht gerade dafür bekannt, eine Hochburg für qualitativ hochwertigen Black Metal zu sein. Umso mehr war ich auf diese Debüt-EP des Ein-Mann-Projektes aus den Abruzzen, ULTIMA RATIO, gespannt. Lediglich ein Song kursierte seit 2014 via Bandcamp, „Lord of the dungeon“. Und der war ein eher durchschnittlicher, wenn auch sehr atmosphärischer Track, den ich immer als eine Mischung aus ganz alten Emperor und Mortiis empfand. Ganz okay, aber sicher kein Track für die Ewigkeit.

Nun liegt die EP vor und als erstes fällt natürlich der Titel auf, sofern man mit „Age of Conan“ vertraut ist. Denn die Cimmerier waren ein hyperboräisches Volk, dem eben auch Conan entstammte. Ein Tracktitel wie „The everlasting empire of fire“ könnte dies zudem nahelegen, da es ähnliche Formulierungen auch in den Conan-Comics gibt. Aber nun genug des Nerd-Talks, denn dies ist natürlich alles Quatsch. „ULTIMA RATIO – Cimmerian heritage – Eredità oscura“ weiterlesen

Klassikeralben: MYSTICUM – In the streams of inferno

So gut wie jeder hat zumindest schon mal etwas von ihnen gehört, aber nicht jeder hat deswegen auch ein ganz bestimmtes Album in seinem Plattenschrank stehen: Die sogenannten Klassiker, die einen mehr oder minder großen Einfluss auf die Black Metal-Szene ausgeübt haben. Interessant an dieser Definition ist, dass es im Metal einer Zeitspanne von ungefähr zehn Jahren bedarf, bis ein Album mit einer gewissen Wirkweise auf die Szene zu einem solchen wird. Im klassischen Heavy Metal muss man dazu nur an die ersten Alben von Iron Maiden denken, im Black Metal an Venom oder Bathory. Aber was ist eigentlich mit den kleineren, der großen Masse eher unbekannten Bands, die einen genauso großen Einfluss auf die Szene ausübten? Die werden wir ab sofort in dieser Rubrik behandeln. Der Grundgedanke ist, eher die Bands zu featuren, die zwar fast nur am Rande auftauchen, aber nichtsdestotrotz einen ebenso großen Einfluss hatten (oder haben) wie die „großen“ Bands. Die Rubrik wird auch eine gute Möglichkeit bieten, Querverbindungen zu den „Bandspecials“ zu knüpfen und so auf die Dauer ein ganzheitliches Konzept bilden zu können. Ich wünsche euch viel Spaß bei der kurzweiligen Lektüre und bin schon gespannt auf eure Kommentare und Vorschläge.

Copyright: Mysticum
Copyright: Mysticum

Es gibt wenige Bands im Black Metal, die nicht der „reinen Lehre“ zuzuzählen sind aber dennoch von einem Großteil der Szenegänger gemocht werden. Die Norweger MYSTICUM gehören da ohne Wenn und Aber dazu. Ihr Debütalbum „In the streams of inferno“ entlud 1996 trotz Industrial-Elementen und Drumcomputer eine geballte Ladung Bösartigkeit über die Black Metal-Szene und polarisierte die Hörerschaft von Anfang an. „Klassikeralben: MYSTICUM – In the streams of inferno“ weiterlesen

VERHEERER – Archar

Copyright: Verheerer
Copyright: Verheerer

Es ist wirklich unheimlich, was sich so alles im Underground an qualitativ hochwertigen Bands im Black Metal herumtreibt. Da veröffentlichte bereits 2015 die Flensburger Formation VERHEERER diese EP sowohl digital als auch als CD und so gut wie niemand schien großartig davon Notiz zu nehmen. Vendetta Records sahen das vermutlich genauso und gaben diesem Kleinod die Ehre eines Re-releases.

Ich schreibe „Kleinod“ auch nicht ohne Grund, denn hier offenbart sich ein wahrer Abgrund von Bösartigkeit: rasender Black Metal trifft auf doomige Passagen. Immer wieder nimmt die Band das Tempo heraus, streut Sprachsamples ein (wie im Opener „Niederkunft“) und bildet so einen unheiligen Bastard aus räudigeren Watain und Deathspell Omega. „VERHEERER – Archar“ weiterlesen

Bandspecial: CIRITH GORGOR

Copyright: Cirith Gorgor
Copyright: Cirith Gorgor

Ab einem gewissen Alter kommt für die meisten Metaller wahrscheinlich der Zeitpunkt, an dem man sich gerne an ältere Alben oder Bands erinnert, mit denen man ganz besondere Erinnerungen verbindet. Das hat nicht unbedingt immer etwas mit Nostalgie zu tun, sondern vielmehr damit, dass wir mit eben diesen Alben oder Bands ganz besondere Emotionen verbinden. Metal an und für sich und ganz besonders Black Metal ist nun mal eine hochemotionale Musikrichtung, die das ganze Spektrum unserer Gefühlswelt abdeckt. Aus diesem Grunde fiel die Entscheidung, eine weitere Rubrik aus der Taufe zu heben: Bandspecials. Es soll hier nicht nur um die Musik an sich gehen, sondern auch darum, was man mit den Bands selber verbindet, welche Alben ganz besonders berührt, inspiriert oder auch einfach mal richtig geärgert haben.
Für das erste Special habe ich mir daher eine Band herausgesucht, die ich seit Demotagen kenne, supporte und die mich in vielerlei Lebenslagen begleitet hat: das holländische Black Metal-Kommando CIRITH GORGOR.
„Bandspecial: CIRITH GORGOR“ weiterlesen

EKSTASIS – Wirklichkeitsraster

Copyright: Geisterasche Organisation / Ekstasis
Copyright: Geisterasche Organisation / Ekstasis

Kennt jemand das Gefühl, an einem kalten Februarmorgen aufzuwachen und den Kopf dermaßen voll mit Gedanken aller Art zu haben, dass es schwer fällt, sich zu konzentrieren? Dass man später, wenn man in das Alltagsleben eingetaucht ist, sich nicht des Gefühls erwehren kann, dass vielleicht geistig nicht alles im Lot ist? Und dass dieses Gefühl nur daraus resultiert, weil man sich kurz vorher mit einem Album beschäftigt hat, welches einen musikalisch und intellektuell dermaßen forderte, dass man zunächst ein wenig Zeit benötigt, um wieder klar und fokussiert denken zu können? Natürlich gibt es genügend Bands, die ihren Fokus auf eben jene Aspekte legen: nämlich den Hörer sowohl mit ihrer Musik als auch ihren Texten bzw. dem ganzheitlichen Konzept der Band zur Beschäftigung damit anzuregen. Eben kein Easy Listening für den Alltagsgebrauch. „EKSTASIS – Wirklichkeitsraster“ weiterlesen

FROSTREICH – Join the wind

Copyright: Geisterasche Organisation / Frostreich
Copyright: Geisterasche Organisation / Frostreich

„Zwei Post-Black Metal-Reviews innerhalb eines Tages? Ja, ist denn Black Salvation jetzt schon ausgewimpt?“ mag sich nun der eine oder andere fragen, dem meine musikalischen Vorlieben ja nicht ganz unbekannt sind. Nein, kann ich da nur antworten. Aber ich habe, denke ich, herausgefunden, worin mein bisheriges Problem mit „Post“-Bands im Black Metal kam: Sie kamen nicht aus hiesigen Landen! Und nein, das heißt jetzt keinesfalls, dass es außerhalb der Landesgrenzen keine großartige Musik dieser Stilrichtung gibt. Nur wirken für mich persönlich Bands aus den Staaten zum Beispiel einfach zu gewollt romantisch oder nachdenklich; oder die Franzosen: die sind mir wiederum zu verspielt, zu avantgardistisch. Ich gebe zu, dass ich durch das Review zur kommenden HERETOIR-Scheibe mit extrem hohen Erwartungen an den bereits dritten Longplayer des Frankfurter Ein-Mann-Projektes FROSTREICH heran gegangen bin. Und wieder einmal wurde ich sehr überrascht. „FROSTREICH – Join the wind“ weiterlesen

HERETOIR – The circle

Copyright: Northern Silence Production / Heretoir
Copyright: Northern Silence Productions / Heretoir

Als dieses Album auf meinem Tisch landete, befürchtete ich schon, dass es eine schwierige Angelegenheit werden würde. Nicht etwa, weil mich die musikalische Weiterentwicklung einer Band stören würde. Ganz im Gegenteil: als Musikerin und Journalistin begrüße ich eine solche sogar. Nur als Fan habe ich da so meine Schwierigkeiten. Umso mehr, wenn sich in die sogenannte „Post“-Richtung entwickelt wird, wie eben auch die Augsburger HERETOIR (by the way: warum spricht man von „Post“ eigentlich fast immer nur in Verbindung mit Black Metal oder beim Rock?). Zugegeben: Man beweist als Künstler großen Mut, wenn man sich fortlaufend neuen musikalischen Herausforderungen stellt und nicht immer und immer wieder das gleiche Album aufnimmt und sich damit auch der Gefahr aussetzt, dass ein Großteil der Fangemeinde diese Weiterentwicklung nicht nachvollziehen und mittragen kann und man sich daher ständig eine neue Fanbase aufbauen muss. „HERETOIR – The circle“ weiterlesen

BEORN’S HALL – Mountain hymns

Copyright: Naturmacht Productions / Beorn's Hall
Copyright: Naturmacht Productions / Beorn’s Hall

Es ist schon beachtlich, in welch kurzer Zeit man mittlerweile von richtig starken Debüt-Alben überrascht wird (ich weiß, ich wiederhole mich). So auch von den US-Amerikanern BEORN’S HALL, die uns mit „Mountain hymns“ (Erscheinungsdatum: 25.02.2017) eine Erstlingsveröffentlichung kredenzen, die eine richtig schöne Mischung aus BATHORY in ihrer Viking-Phase und teils räudigem Old-School-Black-Metal in der Tradition der norwegischen, finnischen, aber auch alten US-Black-Metal-Bands ist. Während der Einstieg mit „A conjuring of clouds“ noch sehr atmosphärisch klingt und mit einer Art hymnisch-ritualistischem Gesang unterlegt ist, ahnt man die genannten BATHORY-Bezüge bereits, die dann so richtig in den ersten drei Minuten des folgenden „Black foes of the earth“ zum Ausdruck kommen, welches von unheilvollem Donnergrollen eingeleitet wird, bevor es dann ohne lange zu fackeln mit der Old-School-Black-Metal-Keule direkt auf die Fresse gibt. „BEORN’S HALL – Mountain hymns“ weiterlesen

SAOR – Guardians

Copyright: Northern Silence Productions / Saor
Copyright: Northern Silence Productions / Saor

So ein bisschen voreingenommen ist, glaube ich, jeder Musikliebhaber, wenn es sich um Genres handelt, mit denen er im Normalfall nicht sonderlich viel am Hut hat. Ich bin da auch nicht anders und schaue bei mir unbekannten Bands immer mal in den Metal Archives nach. Sobald ich dort Bezeichnungen wie „Atmospheric“, „Melodic“ oder „Folk“ in Verbindung mit Black Metal lese, gehe ich meistens eher skeptisch an die Sache heran. Ist natürlich unvorteilhaft, wenn man Redakteurin für ein im Aufbau befindliches Online-Magazin ist. Ich denke jedoch (und ich kann jetzt wirklich nur für mich sprechen), dass es guten Musikjournalismus ausmacht, trotz persönlicher Vorlieben immer fair zu bleiben. Und sich vor allen Dingen auch mal mit den Promomaterialien auseinanderzusetzen, was viele wohl auch nicht immer machen. Denn wenn wir mal bei der Metal Archives-Klassifizierung bleiben: Ja, die Musik ist sehr melodisch und atmosphärisch. Ja, es gibt sehr viele Folk-Einflüsse in der Musik. Aber von welchem Black Metal-Anteil ist denn da bitte die Rede? Und es ist in diesem Falle gut, dass dieser nicht existiert: Dem schottischen Ein-Mann-Projekt SAOR jedenfalls kann ich einfach so gut wie keine schlechten Seiten abgewinnen. „SAOR – Guardians“ weiterlesen