SPITE – Antimoshiach

Copyright: Invictus Productions / Spite
Copyright: Invictus Productions / Spite

Wer bei der Terminierung ‚US-Black Metal‘ automatisch an den nach wie vor beliebten Cascadian Black Metal oder alte Helden wie Profanatica oder Judas Iscariot denkt, der liegt stilistisch bei diesem Debüt komplett daneben. Bereits seit 2010 tummelt sich das One-man-Projekt SPITE im US-amerikanischen Black Metal-Untergrund und kann bisher eine Demo, die Beteiligung an der „Evil spells, Volume 1“-Split sowie eine EP vorweisen. Am 02. Februar 2018 erscheint mit „Antimoshiach“ nun die erste Full-length, die es auch ziemlich in sich hat. Anders als die oben genannten Genre-Vertreter geht man seinen ganz eigenen Weg und verquickt ziemlich urwüchsigen Black Metal mit reinrassigen Heavy Metal-Elementen. Dabei vollbringt man das Kunststück, nicht wie Denial of God oder Disharmony zu klingen, sondern einen ganz eigenen Klangkosmos zu schaffen. Dazu trägt auch die richtig gute Produktion bei, die der stilistischen Ausrichtung mehr als nur gerecht wird.

Der Opener „The devil’s minyan“ legt dabei zunächst eine falsche Fährte: Mit höllisch schnellen Gitarrenläufen steigt man von 0 auf 200 ein, nur um kurz darauf mit klassischem, relativ unverzerrtem Heavy Metal-Riffing  den ersten Kontrast zu setzen. Salpsan, der Kopf hinter SPITE, keift sich dabei wahrlich die Seele aus dem Leib und gibt dem Album gleich etwas, was heute nur noch wenige Vokalkünstler im Black Metal schaffen: Er verleiht den Tracks Seele! Schon der Einstiegsschrei im folgenden „The shield of Abraham“ zeugt davon. Das Riffing ist hier sogar noch klassischer ausgeprägt, als im schon starken Opener und lädt förmlich dazu ein, die Anlage aufzureißen. Höhepunkt Nummer Eins. Selbst wenn man sich den Track im Vorfeld schon häufiger angehört hat (seit November 2017 ist er auf Bandcamp verfügbar), verliert er nichts von seinem Reiz. Etwas rasanter geht es bei „Vision of the Merkabah zu“. Ging man bisher eher im mittleren Midtempo zu Werke, zieht man nun stellenweise das Tempo ein wenig an. Das baut den Spannungsbogen noch ein wenig aus, zumal man in diesem Track auch eine kurze, geflüsterte Passage hat. „False magic“ bündelt die bisherigen Stärken und bildet somit Höhepunkt Nummer Zwei. Nicht weniger intensiv wirkt man bei „Second death“: Mit erneut angezogenem Tempo treibt man das Album unerbittlich voran und gibt dem Track ein solides Black Metal-Fundament. Wer spätestens jetzt nicht dem Reiz von SPITE verfallen ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Zumal sich nun die erstklassigen Songs nur so aneinanderreihen. „Under funeral stone“ ist reine Manie: Sowohl das Riffing als auch die Vocals und vor allem der mörderisch schleppende Mittelteil vermitteln erneut pure Blasphemie. In „The hope (of coming Armageddon)“ steigt man zwar wieder verdammt schnell ein, fügt dem Ganzen jedoch bereits nach kurzer Zeit einen langsamen Part hinzu, nur um alsbald das Tempo wieder in gewohnte Regionen hochzuschrauben. Und da der Track keine drei Minuten dauert, ist dies ein wahres Vergnügen. Mit dem achtiminütigen Titeltrack und Album-Closer „Antimoshiach“ hat man auch einen fast schon hymnisch wirkenden Track am Start (sofern man in diesem Genre von „Hymnen“ sprechen kann). Geniales Riffing, fantastischer und abwechslungsreicher Songaufbau und einer der wahrscheinlich besten Tracks in dieser Stilrichtung, die je geschrieben wurden. Ein verdammt starkes Album-Finale, dem man nur noch mit dem schon gewohnten, erneuten Druck auf ‚Play‘ gerecht wird!

Meine Fresse, was ein geiles Album! Ich habe es jetzt schon ca. zehnmal laufen lassen und entdecke immer noch Kleinigkeiten, die mir das Album mit jedem Durchgang näher und näher bringen. Einen ganz dicken Pluspunkt bekommt die warme, analoge Produktion. Vor allem begeistert mich jedoch, dass man nicht den übelsten und schwärzesten Black Metal spielen muss, um wirklich blasphemisch zu sein. Das gelingt „Antimoshiach“ auch so zur Genüge. Es wird extrem schwer für stilistisch auch nur annähernd ähnliche Bands werden, diese Intensität noch zu toppen. Ich bin daher restlos begeistert und empfehle jedem, wirklich JEDEM, sich dieses Album zumindest mal anzuhören. PFLICHTKAUF!!! +++ 9 / 10 Punkten

Am 02.02.2018 ist es soweit: Dann darf man sich endlich dieses kleine Kleinod der heimischen Sammlung einverleiben. Dazu besucht am Releasetag einfach den Webshop von Invictus Productions, wo ihr euch die wirklich hübsche Digipack-CD zulegen könnt oder aber ihr schaut einfach im Bandcamp-Shop des Labels vorbei, wo ihr euch bei Bedarf die digitale Version kauft.

Copyright: Spite
Copyright: Spite

SPITE – Antimoshiach
Blackened Heavy Metal from the United States
Label / Distribution: Invictus Productions (CD) / Bandcamp /Download)
Running time: 39:35 minutes
Release date: 02.02.2018 (all formats)

www.invictusproductions.net
www.bandcamp.com

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