COMMUNION – „At the announcement“ & „The communion“

Copyright: Hells Headbangers Records / Communion
Copyright: Hells Headbangers Records / Communion

Chile ist im Moment ein wahres Füllhorn, was Bands aus den verschiedensten Black Metal-Richtungen angeht. Ob es nun um etwas zeitgemäßeren Sound geht oder die klassische Schiene bedient wird, spielt dabei schon fast keine Rolle mehr. Lediglich der Umstand, dass Südamerika generell eher rohe Veröffentlichungen ausspuckt, macht die Suche nach aufregenden Releases ein wenig einfacher. So stößt man aktuell bei der Recherche schnell auf die seit 2008 aktiven COMMUNION, die im vergangenen August parallel ihr Debüt „At the announcement“ sowie den Zweitling „The communion“ veröffentlichten. Da diese beiden Releases bisher allerdings ausschließlich digital vorliegen, schieben die Krachspezialisten von Hells Headbangers Records nun die physischen Formate CD, LP und Tape sowie eine neu aufgelegte, digitale Version nach. Selbst wenn man schon Besitzer der Erstveröffentlichung ist, so lohnt sich die Neuanschaffung nicht nur wegen der wie immer hochklassigen Verarbeitung, sondern auch, weil das Material alles andere als durchschnittlich ist. Der hier zelebrierte Black Metal erinnert dabei nicht an die Frühneunziger, sondern geht noch weiter zurück und sucht seine Referenzen eher bei alten Bathory, Venom und besonders bei alten Sodom.

„At the announcement“

Der Albumeinstieg „Impalement to destroy“ macht diese Marschrichtung von Anfang an deutlich. Als ob man sich „Obsessed by cruelty“ mit höherer Geschwindigkeit anhören würde, preschen die Chilenen mit ihrem Witching Black Metal nach vorne, nur um direkt ein kurzes Intro, „Intro 1“, einzuschieben, bevor man mit „Secret rites“ noch eine Spur mehr Wahnsinn in den Sound legt. Ärgerlich am Sound ist allerdings, dass die Drums ein wenig zu dumpf klingen, von der Doublebass abgesehen, die zu weit im Vordergrund ist. Ebenso der Gitarrensound, den man zwar immer wahrnimmt, der jedoch viel zu leise ist. (Leute, Glaubwürdigkeit kommt nicht mit dem Sound, sondern aus der Spielfreude heraus!) Nach einem weiteren Intro, „Intro 2“, folgt der nich einmal zwei Minuten dauernde Titeltrack, der einfach pure Zerstörung ist. Wie auch die vorangegangenen Tracks in einem Wahnsinnstempo vorgetragen, spielt man sich komplett in Raserei. Die Vocals keifen schön fies und ehe man es sich versieht, ist der Spuk wieder zu Ende. „Enthroned inquisition“ begeistert im Anschluss mit seiner Spielzeit von beinahe fünf-einhalb Minuten und bringt erstmals auf dieser Scheibe so etwas wie Struktur ins Songwriting hinein. Versteht mich nicht falsch: Trotz aller Kritikpunkte finde ich „At the announcement“ wirklich gut. Nur wäre mit einer besseren Produktion die Wucht der Songs einfach noch ein Stück höher. Alleine schon die Soli in „Enthroned inquisition“ sind purer Wahnsinn und durch die generell sehr reduziert eingesetzten Vocals wird dieser Eindruck noch verstärkt. „Intro 3“ dient anschließend als Vorspiel zu „Consecrated in the abyss“, ein mit wenig mehr als zwei Minuten wieder sehr kurzer Track. Aber alleine schon die Tatsache, dass man hier keinen vor sich hin rasenden Titel serviert bekommt, sondern ein Stück im Midtempo (sic!), hebt ihn heraus und fügt dem Album die nötige Abwechslung hinzu. Mit „Castigated ceremonial verses“ zieht man das Tempo jedoch wieder in gewohnte Regionen an, läutet aber gleichzeitig das Abschlusstriple ein, in dem jeder Song um die drei-einhalb Minuten lang ist. Wird man in den ersten Tracks noch von der Geschwindigkeit erschlagen, so zeigt man in der zweiten Albumhälfte, dass man eben auch mehr drauf hat. „Plague outbreaks“ ist eine irrwitzige Hymne vor dem Herrn und „Last ordeal“ schließt ein Album ab, dass für einen Einstand mehr als nur gut ist.

Copyright: Hells Headbangers Records / Communion
Copyright: Hells Headbangers Records / Communion

„The communion“

Den Einstieg in den „At the announcement“-Nachfolger findet man nach dem „Intro 1“ betitelten – nun ja – Intro mit „Glorify the dark“. Und das erste, was man registriert, ist der deutlich bessere Sound! So klingen die Gitarren nun rasiermesserscharf, die Snare ist schön trocken produziert, lediglich die Doublebass klickert noch ein wenig zu viel für meinen Geschmack. Selbst die Vocals klingen nun noch ein Stück dreckiger, was den Gesamtsound ungemein bereichert. Auch songwriterisch hat man sich ein gutes Stück weiterentwickelt: So unterschreitet keiner der Tracks (von den beiden Intros abgesehen) die Drei-Minuten-Marke, was das Album von Beginn an deutlich abwechslungsreicher macht. „Crush the atheism“, eingeläutet von „Intro 2“, ist ein schöner Midtempo-Klopfer, der noch am ehesten mit den Tracks des Debüts vergleichbar ist. Das folgende „Embrace cruelty’s flame“ beinhaltet einige der ’schönsten‘ Gitarrenläufe auf dem Album und bildet so eine Brücke hin zu den nun folgenden Titeln, die nun alle zwischen knapp fünf Minuten und annähernd sechs Minuten Spielzeit liegen. Und konnten schon die längeren Tracks auf dem Debüt überzeugen, so gibt man sich auch hier keine Blöße. „Witching thrust“ ist mit seinem Riffing wieder eine Verbeugung vor ganz alten Sodom und lässt den Hörer mit blutverschmierter Henkersaxt vor der heimischen Anlage knien. Purer Wahnsinn! Den man in „Fire worship“ sogar noch ein Stück weit steigert. Was für irrsinnige Soli! In „Funeral of mercy“ nimmt man erstmals deutlich Bezug zu Bathory zur „Under the sign…“- und „Blood Fire Death“-Phase. Das über zwei Minuten dauernde, einführende Riffing hat schon fast etwas hymnisches und ist der mit Abstand beste Track auf dem gesamten Album. Weniger Doublebass-Geklicker hätte hier besonders gut getan, aber auch so legt man bereits jetzt einen der besten Titel im Black / Thrash der letzten Monate vor. Gut, dass man diese Marschrichtung nun auch in den Album-Closer „Bloody butcher“ mit hinüber nimmt, diesem noch einen Schuss Witching Metal verpasst und das Album somit würdig beschließt.

COMMUNION gehören sicherlich noch nicht zur Speerspitze im aktuellen Black Metal aus Südamerika. Das kann sich aber durchaus noch ändern, wie man an dem Qualitätssprung vom ersten zum zweiten Album sieht. Denn das man auch seinen Witching Black Metal mit einer Knallerproduktion veredeln kann, haben erst kürzlich Dreadful Fate mit ihrem Einstand „The sin of Sodom“ gezeigt. Nichtsdestrotz haben wir es hier mit zwei starken Alben zu tun, die sich jeder, der auf diese Art alten Black / Thrash Metals steht, ins Regal stellen sollte. Kaufempfehlung! +++7,5 * 8 / 10 Punkten

Jetzt heißt es noch ein wenig warten bis zum 26.01.2018, dann kann man sich die beiden Scheiben ins Regal stellen. Wie immer gilt: Ab in den Webshop von Hells Headbangers oder deren Bandcamp-Shop, wo ihr die Alben schon jetzt vorbestellen könnt.

Copyright: Communion
Copyright: Communion

COMMUNION – At the announcement
Black Metal from Chile
Label / Distribution: Independent (original digital release) / Hells Headbangers Records (CD, LP + Tape) & Bandcamp (Download)
Running time: 27:49 minutes
Release date: 21.08.2017 (Digital) / 26.01.2018 (CD, LP, Tape, Digital)

COMMUNION – The communion
Black Metal from Chile
Label / Distribution: Independent (original digital release) / Hells Headbangers Records (CD, LP + Tape) & Bandcamp (Download)
Running time: 32:47 minutes
Release date: 22.08.2017 (Digital) / 26.01.2018 (CD, LP, Tape, Digital)

shop-hellsheadbangers.com
www.bandcamp.com

Anregungen? Kritik? Immer her damit...