RUNESPELL – Unhallowed blood oath

Copyright: Iron Bonehead Productions / Runespell
Copyright: Iron Bonehead Productions / Runespell

Wenige Bands konnten in den letzten paar Monaten so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie RUNESPELL, das im Grunde genommen nur ein Projekt des Australiers Nightwolf ist. Aber was für eines: Obwohl in der Szene kein Neuling mehr, kam das Demo im Mai vollkommen aus dem Nichts und schlug dank des Supports von Iron Bonehead Productions sofort ein wie eine Bombe. Kein Wunder, dass man sich des Projekts annahm: Musikalisch ist man trotz der mehr als nur eindeutigen Bezugnahme auf die zweite Black Metal-Welle absolut eigenständig und versteht es, packende Songs zu schreiben, die auch nach dem x-ten Durchlauf nicht langweilig werden. Ende September veröffentlichte man nun das Debüt-Album „Unhallowed blood oath“, das die Richtung des Demos weiter fortführt und dem Ganzen noch mal eine gehörige Portion Atmosphäre hinzufügt.

Mit „Oblivion winds“ stellt man direkt den längsten Track des Albums an den Anfang. Wie jeder weiß, liebe ich solch ausufernde Tracks direkt nach dem Drücken des Play-Buttons. Und wie bereits bei der erst vor wenigen Monaten erschienen Demo „Aeons of ancient blood“ ergreift mich sofort wieder dieses Gefühl, das man nur hat, wenn man Musik nicht bloß hört, sondern wirklich erlebt! So sehr Nightwolf mit seinem Projekt auch die Zeit Anfang bis Mitte der Neunziger referenziert – mit Fug und Recht kann man trotzdem behaupten, dass er darin ein echter Künstler ist. Das Gefühl, ein Album von 2017 vor sich zu haben, lässt sich bereits während der ersten Minuten komplett ausblenden. So sehr gehen Musik und auch Produktion Hand in Hand. Zugegeben, eine etwas druckvollere Produktion wäre wünschenswert gewesen, ginge aber an der Intention RUNESPELL’s völlig vorbei. Die fast schon episch zu nennenden Melodien, der Songaufbau vom Intro bis zum Outro; während der ganzen etwas mehr als neun-einhalb Minuten ist man vollkommen gefesselt von dieser einzigartigen Atmosphäre. Die Tracks sind so gut wie durchgehend im Midtempo gehalten und können so ihre ganz eigene Kraft entfalten. Sowohl „Bloodlust & vengeance“ mit seinen fast acht Minuten als auch das nur drei Minuten lange, akkustische Intermezzo „As old graves unfurl…“ sind absolut flüssig in den Albumkontext eingebaut. Und ja, wer bei „Heaven in blood“ unwillkürlich an Judas Iscariot’s „Heaven in flames“ denkt, liegt so falsch nicht. Denn hier wird das Tempo spürbar angezogen, zumindest teilweise. Und das gibt dem Album die nötige Dynamik, um in „White death’s wings“ zunächst wieder ruhigere Töne während des Intros anzuschlagen. Stilistisch geht man allerdings recht schnell wieder in Richtung der ersten beiden Tracks, auch wenn das Grundtempo nun ein wenig schneller ist. „All thrones perish“ wirkt wie die musikalische Fortsetzung des Openers. Was mich bei den meisten anderen Bands dann eher abschreckt, lässt mich hier verzückt vor der Anlage Wurzeln schlagen, so sehr zieht die Melodieführung in den Bann. Auch der akkustische Mittelteil fügt sich logisch in den Songaufbau ein und baut somit weiter an diesem überirdischen Monument namens RUNESPELL. Da ergreift einen fast schon Wehmut, wenn das Outro „And wolves guide me home“ (ebenfalls rein akkustisch) seine letzten Töne durch die Boxen klingen lässt. Zum Glück gibt es die Repeat-Taste…

Was für ein Erlebnis diese knapp 38 Minuten sind! Ja, ich lege im Allgemeinen viel Wert auf eine ‚gute‘ Produktion. Und nein, Rückbesinnung auf alte Zeiten ist nicht immer das Beste. Wenn man allerdings so authentisch und mit so viel Gespür für Atmosphäre gesegnet ist wie im Falle von RUNESPELL, dann rechtfertigt das allemal meine Wertung. Jeder, der auch nur den Hauch von Melancholie verspürt beim Gedanken an die Zeit von vor 25 Jahren, der ist hier genau richtig. Alle anderen auch. Daher: Pflichtkauf!!! +++ 9 / 10 Punkten

Da heißt es nun aber schnell ab in den Webshop von Iron Bonehead und sich eine der auf 500 Exemplare limitierten CD oder eine der auf 500 Stück limitierten LP (auf schwarzem Vinyl) geordert. Alternativ dazu werdet ihr auch im labeleigenen Bandcamp-Shop fündig, wo ihr euch „Unhallowed blood oath“ als Download erwerben könnt.

Copyright: Runespell
Copyright: Runespell

RUNESPELL – Unhallowed blood oath
Black Metal from Australia
Label / Distribution: Iron Bonehead Productions (CD, LP) & Bandcamp (Digital)
Running time: 37:51 minutes
Release date: 29.09.2107

www.shop.ironbonehead.de
www.bandcamp.com

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