MALOKARPATAN – Nordkarpatenland

Copyright: Invictus Productions / Malokarpatan
Copyright: Invictus Productions / Malokarpatan

Nach wie vor liegt Veröffentlichungen von Bands aus dem Osten Europas stets ein Exotenstatus bei. Sogar mehr, als dies bei geographisch viel weiter entfernten Bands aus bspw. Südamerika der Fall ist. Die Masse dortiger Kultbands ist auf Grund der politischen Zustände bis Ende der Achtziger zwar um einiges geringer, jedoch hat man mit Root und ganz besonders mit Master’s Hammer und Tormentor einige Bands vorzuweisen, deren Klasse definitiv die Masse aussticht. Und in genau diese obskure musikalische Klasse treten seit kurzem die Slovaken MALOKARPATAN, die passenderweise an Samhain ihr zweites Album „Nordkarpatenland“ auf die feierwütige Schwarzmetallmeute loslassen. Da man sich textlich eher mit heimischer Folklore auseinandersetzt und dieses Thema immer wieder mit einem gehörigen Schuss Humor würzt (ohne allerdings in Bierzelt-Regionen abzufallen), ist das Gesamtpaket aus Musik, Texten und Ernsthaftigkeit bei der Darbietung etwas ganz Besonderes. Ansonsten würde die Band auch wohl kaum ins Review-Konzept auf Black Salvation passen; das aber nur mal am Rande.

Schon das mit einer Maultrommel eingeleitete Intro (und gleichzeitig der Titeltrack) „Nordkarpatenland“ wirkt extrem stimmig und frei jeglichen Folk / Black Metal Klischees, was der eigentliche Opener In the provincial pond, a water goblin has been raging for centuries“ mit seiner schnellen Rhythmik und vor allem der klaren Instrumentierung noch weiter verdeutlicht. Vom Stil her zwar eher leicht an die in der Einleitung genannten Bands angelehnt, formuliert man die eigene Interpretation von folk-beeinflusstem Black Metal absolut eigenständig aus. Stets zwischen langsameren Parts und mittlerem bis schnellem Uptempo wechselnd, kreiert man zudem musikalisch eine Atmosphäre, die man auch ohne Kenntnis der auf slovakisch vorgetragenen Texte verinnerlichen kann. Apropos slovakische Texte: Die Songtitel sind natürlich auch alle auf Slovakisch, der Einfachheit halber sind diese im Review jedoch in der englischen Übersetzung abgedruckt. „When old Bartolín was driven back home from the tavern on a wheelbarrow“ zieht das Tempo dann etwas mehr an und wirkt fast wie ein Bastard aus Venom und Master’s Hammer. Sehr viel atmosphärischer geht es anschließend in „When will-o‘-the-wisps begin to shine green in the bogs“ zu. Zunächst eher bedächtig im Tempo steigert man sich nach gut drei Minuten ins Midtempo und sorgt so für angenehmes Nackenschütteln, bevor man in „Not long after midnight, the abomination has crawled out of the hole“ mit schön dissonantem Getröte zu Beginn den Albumfluss geschwindigkeitsmäßig hält.

Within the dense woods, the witch is hiding her hut on magpie legs leitet die zweite Hälfte des Albums mit einem wunderschönen Klassikteil ein (im besten Sinne des Wortes), der einen die Naturverbundenheit der Mannen spüren lässt. Und so kraftvoll der Metal-Anteil im Anschluss auch ist: Seine ganze Wirkkraft entfaltet der Song ab etwa der Hälfte, als wieder ein kurzes Akkustik-Intermezzo eingestreut wird. Was mich angeht: Das ist der gelungenste Track auf dem Album und ist genau das, was ich von der Verquickung aus Folk und Black Metal erwarte. Das folgende When a bugger kobold settles down in the farmer’s household setzt wieder überwiegend auf zackigen Metal und stellt so eine angenehme Abwechslung dar. Überhaupt ist das ganze Album sehr facettenreich aufgebaut, was man beim ersten oder zweiten Durchhören gar nicht so sehr merkt. Erst, wenn man es etwas tiefer auf sich wirken lässt, erkennt man viele der Feinheiten im Songwriting, wie auch als Nächstes In October’s solitude, silently the hunting chateau of the wolfish count is brooding unter Beweis stellt. A horned jaeger governs the gamekeeper’s lodge in the uplands wird wieder von Gebläse eingeleitet, diesmal von Jagdhörnern (macht thematisch ja auch Sinn). Ansonsten wird wieder im angenehm unaufgeregten Midtempo Old School Black Metal geboten. Der Rausschmeißer Devils are playing whist at nights in the old water mill fügt sich da gut ein, wirkt allerdings doch etwas zu unspektakulär im Kontext eines sonst erstklassigen und wirklich außergewöhnlichen Albums.

Ich muss zugeben: Als ich das erste Mal im Promomaterial etwas von ‚folk‘ las, war ich zunächst sehr skeptisch. Das legte sich nach dem ersten Hördurchgang jedoch zusehends und das Album entwickelte – nein, keine Sogwirkung, sondern so etwas wie das Gefühl tiefer Befriedigung. Nämlich darüber, dass es auch heute noch ernstzunehmende Bands gibt, die ‚folk‘ im besten Sinne des Wortes sind und denen eine glaubhafte Atmosphäre wichtiger ist, als die schnelle Münze zu verdienen mit Schunkelmusik (gewisse finnische oder auch heimische Bands dürfen sich dabei gerne angesprochen fühlen). Ich für meinen Teil bin froh, die Bekanntschaft mit MALOKARPATAN gemacht zu haben und spreche hiermit eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aus! +++ 8 / 10 Punkten

Ab dem Release-Tag könnt ihr euch „Nordkarpatenland“ im Webshop von Invictus Productions kaufen (bzw. bereits jetzt als Pre-order) oder aber über deren Bandcamp-Seite im digitalen Format.

Copyright: Malokarpatan
Copyright: Malokarpatan

MALOKARPATAN – Nordkarpatenland
Black Metal from Slovakia
Label / Vertrieb: Invictus Productions (CD) & Bandcamp (Download)
Running time: 45:34 minutes
Release date: 31.10.2017

www.invictusproductions.net
www.bandcamp.com

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