WAR POSSESSION – Doomed to chaos

Copyright: Memento Mori / War Possession
Copyright: Memento Mori / War Possession

Fleißige Leser dieser Seite wissen ja, dass ich für Bands aus Griechenland eine gewisse Schwäche pflege. In den meisten Fällen ist der Sound absolut einzigartig, die Bands sind unverwechselbar und der einzige Kritikpunkt, der mir auch nach 25 Jahren immer noch sauer aufstößt, ist der viel zu oft verwendete Drumcomputer bzw. ein Drumsound, der sich diesem verdammt ähnlich anfühlt. Das Athener Schädelspalt-Kommando WAR POSSESSION gehört zum Glück zu jener Sorte Bands, die einen Felleverdrescher aus Leib und Blut in ihren Reihen haben. Seit der Bandgründung 2008 hat man bisher eine Demo, eine EP sowie eine Split (mit den Landsleuten von Respawn the Plague) veröffentlicht und sieht nun dem Release des Debütalbums „Doomed to chaos“ entgegen. Und ein richtig starkes Debüt außerdem! Die griechische Death Metal-Szene mag zwar um einiges kleiner sein als deren Black Metal-Szene, bringt dafür aber auch einige wahre Schätzchen hervor. In diese Riege dürfen sich nun auch WAR POSSESSION einreihen, denn das 40-minütige Album sprüht nur so von Energie, Spielwitz und Aggression.

Mit dem Intro „March into hell (Beyond the chaos gate)“ hat man einen gelungenen Einstieg gewählt, der durch die angedeutete Epik sowie den Chorgesang auf das nun folgende Kriegsgewitter perfekt einstimmt und dem Opener „Operation Neptune“ mit seinem Bolt-Thrower-Eröffnungsriff eine solide Grundlage schafft. Die musikalische Verbindung zu den leider verblichenen Engländern ist allerdings nur ein Teilaspekts des Gesamtsounds. So schafft man es (und dies gilt für das komplette Album) ebenfalls Elemente ganz alten skandinavischen Death Metals einzuflechten. Egal, ob man dabei auf die finnische oder schwedische Schule zurückgreift, die Tracks klingen dabei alle schlüssig und nicht nach Flickschusterei. Passenderweise tummeln sich die Songs dabei in Regionen mittleren bis gehobenen Midtempos, wie „God of a wicked mind“ gut unter Beweis stellt. Und auch die Vocals klingen schön tief und sogar einigermaßen verständlich, wie das relativ kurze „Verdun hell“ mit seinen drei Minuten Spielzeit deutlich macht. Der anschließende Titeltrack lässt leichte Anflüge an alte Asphyx erkennen; diese sind allerdings etwas melodischer als von den Holländern gewohnt und wirken somit etwas weniger schwer.

Die Hälfte des Albums ist somit geschafft, so dass man nun wieder etwas mehr an Geschwindigkeit zulegt und mit „War is the father and king of all“ ein verhältnismäßig zackiges Stück Death Metals vorlegt, dessen Leads mich in der zweiten Hälfte erneut an die genannten Holländer erinnern. Eine recht gelungene Mischung aus Bolt Thrower und Asphyx wird dem Hörer mit „Slapton Sands tragedy“ um die Ohren gehauen. Doom / Death in Reinkultur; nicht wirklich originell, aber dafür handwerklich absolut sauber und glaubwürdig. Und wer einen Brecher wie „The sword of Stalingrad“ so befreit von Klischees auf die Kante bekommt, der hat sowieso schon mal Pluspunkte verdient (auch wenn die Thematik dank Hail of Bullets ja schon fleißig abgegrast wurde). Und mit Brecher meine ich zur Abwechslung auch nicht einen doomigen Track, sondern einen durchaus schnellen, der nach einem Break nach zwei Dritteln des Songs sogar noch weiter Tempo aufnimmt. Toppen kann das der letzte der regulären Tracks „Haunted by carnage“ zwar nicht mehr; jedoch sind auch hier noch keine Ermüdungserscheinungen erkennbar. Durchaus abwechslungsreich im Tempo und mit einem interessanten Spannungsbogen am Schluss ist er eine runde Sache fast zum Abschluss eines mehr als nur soliden Albums. Der Album-Closer „Mass for the dead“ ist nun wieder deutlich an Asphyx angelehnt und hätte sich auch gut auf jedem Hail of Bullets-Longplayer gemacht. Langsam im Tempo und mit Donnergrollen beschließt man das Album und lässt den Hörer wie schon dutzende Male zuvor bei thematisch ähnlich gelagerten Bands mit einem mulmigen Gefühl beim Gedanken an Sinn und Unsinn von Kriegen zurück…

Eines steht jedenfalls fest: Die Originalität haben diese Griechen sicherlich nicht erfunden. Außerdem reden wir hier von einem Debüt, dass zwar schon mit vielen richtig guten Ansätzen punktet, allerdings noch ein wenig Stringenz vermissen lässt. Beim nächsten Mal etwas weniger Referenzen und mehr Eigenständigkeit, dann gibt es auch weniger zu meckern. Ich für meinen Teil bin in dieser Hinsicht absolut zuversichtlich, was das angeht. Denn nichtsdestotrotz liegt mit „Doomed to chaos“ ein Album vor, an dessen Klasse viele andere Bands scheitern würden. Kaufempfehlung durch und durch! +++ 7,5 / 10 Punkten

Der Reigen an äußerst starken Debüt-Alben reißt somit auch im letzten Quartal 2017 nicht ab, so dass man nun direkt das nächste Album der heimischen Sammlung einverleiben sollte. Ab dem 23. Oktober 2017 werdet ihr im Webshop von Memento Mori fündig.

Copyright: War Possession
Copyright: War Possession

WAR POSSESSION – Doomed to chaos
Death Metal from Greece
Label / Vertrieb: Memento Mori
Running time: 39:24 minutes
Release date: 23.10.2017

www.memento-mori.es

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