TETRAGRAMMACIDE – Primal incinerators of moral matrix

Copyright: Iron Bonehead Productions / Tetragrammacide
Copyright: Iron Bonehead Productions / Tetragrammacide

Man kann vom Glück sagen, dass es heute extrem leicht geworden ist, auf Bands von anderen (Sub-)Kontinenten aufmerksam zu werden. Vor 20 Jahren hat es kaum Labels gegeben, die trotz ihrer geringen Größe so international arbeiteten, wie das heute einem Label wie Iron Bonehead Productions möglich ist. Und wie schon so oft in der Vergangenheit wurde von diesem nun ein weiteres Krach-Kleinod aus den schwärzesten Tiefen des Kosmos ins Licht der Sonne gezogen. Die indischen Black / Death-Okkultisten von TETRAGRAMMACIDE, deren EP „Typhonian wormholes“ 2015 bereits von Iron Bonehead auf LP veredelt wurde, veröffentlichen am 03. November 2017 endlich ihr Debüt. Auf den bisherigen drei Releases seit 2012 (einer Demo, einer Split sowie der genannten EP) konnte man bereits einiges Können unter Beweis stellen. „Primal incinerators of moral matrix“ setzt dem Ganzen nun das Sahnehäubchen auf. Irgendwo zwischen Black Metal, Death Metal und War Metal pendelnd, erscheint vieles in den neun Songs zunächst chaotisch und unstrukturiert, offenbart jedoch bei genauerem und intensivem Hören einen ganz eigenen Klangkosmos, der absolut eigenständig tönt.

Das beginnt schon mit dem Intro, „Hyper-spatial mandala of intuitive latencies“. Mit verzerrt und leiernd klingendem, indischem Instrumentarium unterlegt, wird von den ersten Tönen an eine Atmosphäre kreiert, die zugleich geheimnisvoll, mystisch und weit ab von gewohnten Hörgewohnheiten schwebt und im ersten Moment ein Album erwarten lässt, dass diese Elemente auch beibehält. „The prognosticators of Trans-Yuggothian meta-reasoning“ fährt im Anschluss allerdings ein ganz anderes Kaliber auf. Extrem angezerrte Gitarren, zwischen Blast-Speed und leicht gemäßigtem Midtempo böllernde Drums und Vocals wie aus dem Inneren eines brennenden Panzers peitschen unbarmherzig nach vorne. Hier klingt nichts schön oder angepasst; das hier ist pures Inferno! Zum Glück wechselt der Gitarrensound immer mal wieder während der Leads zu einem klareren Sound, was den Rest umso brutaler erscheinen lässt. Das folgende „Radicalized Matrikavyeda operation: Militarized cosmogrids destabilization (Heralding absolute contraction)“ hat nicht nur den längsten Songtitel das Albums, sondern ist mit seiner Spielzeit von über sieben Minuten auch der längste des knapp 39 Minuten langen Albums. Und nicht viele Bands können im extremen Metal von sich behaupten, die Spannung innerhalb eines solch langen Songs über die komplette Distanz aufrecht halten zu können. Dem indischen Trio gelingt dies jedoch hervorragend, trotz des durchgehend hohen Tempos. Je weiter das Album zudem fortschreitet, desto technischer wird auch der Anspruch. Mit „Cyberserking strategic Kalpa-Terminator (Advanced acausality increment mechanism)“ wird ein absolut gnadenloses Black / Death-Geschoss abgefeuert, dass haufenweise ähnlich gelagerte War Metal-Bands in Grund und Boden zertrümmert. Ähnlich verhielt es sich vor einigen Monaten zwar schon mit der aktuellen Sacrificio; der Zerstörungsfaktor der Inder liegt jedoch noch um einiges höher. Was hier Schicht um Schicht an technischem Können aufeinander gebaut wird, sucht seinesgleichen.

Das Zwischenspiel „Transcranial Ka’abatronic stimulation collapse“ ist mit seinen Soundcollagen zwar ein netter Gegenpunkt, reißt unnötigerweiße aber auch ein wenig aus dem Albumfluss heraus. Zum Glück geht es mit „Intra-dimensional vessel of were-robotics, N-logics and assorted lattice intelligences“ gleich wieder in Wohlfühlregionen hinauf. Die Black Metal-Elemente schwinden zusehends, es herrscht ein Bastard aus brutalstem Death und War Metal, was „Meontological marga of misanthropic computation & extensive backwards physics“ noch unterstreicht. Und auch der letzte der regulären Tracks, „Imperial cyanide voltigeurs (Quantum threshold leapers of Hatha-sorcery)“ ist ein wahrer Klopfer (im besten Sinne des Wortes), der direkt Lust auf einen erneuten Durchgang des Albums macht. Das mit indischem Ritualgesang unterlegte Outro „Dismal ramification of metamathematical Marmas and Sandhi“ setzt schließlich einen Schlusspunkt unter eines der außergewöhnlichsten Debüt-Alben 2017 und lässt hoffen, dass man in Zukunft von diesem Trio noch Großes erwarten darf.

Ich erwische mich zunehmend dabei, mir vorzustellen, wie TETRAGRAMMACIDE mit einer ’sauberen‘ Produktion klingen würden. Kann ich offen gestanden nicht. Denn obwohl ich sonst nicht gerade viel mit übersteuertem und teils undifferenziert klingenden Sounds anfangen kann, hat mich das Trio von Anfang an begeistert auf Grund der rohen Ungezügeltheit. Hier gilt von Anfang bis Ende nur eines: nämlich uneingeschränkte Kaufempfehlung! +++ 8 / 10 Punkten

Nur noch wenige Wochen Wartezeit, dann könnt ihr euch „Primal incinerators of moral matrix“ entweder physisch auf CD, LP oder Tape ins Regal stellen. Dazu besucht ihr am Releasetag entweder den Webshop des Labels Iron Bonehead oder aber deren Bandcamp-Shop, wo ihr euch zudem das Album im digitalen Format sichern könnt.

Copyright: Tetragrammacide
Copyright: Tetragrammacide

TETRAGRAMMACIDE – Primal incinerators of moral matrix
Black / Death Metal from India
Label / Vertrieb: Iron Bonehead Productions & Bandcamp
Running time: 38:57 minutes
Release date: 03.11.2017

www.shop.ironbonehead.de
www.bandcamp.com

Anregungen? Kritik? Immer her damit...