ONIRIK / GRIMFAUG – MMXIV/MMXVI (Split)

Copyright: Iron Bonehead Productions / Onirik / Grimfaug
Copyright: Iron Bonehead Productions / Onirik / Grimfaug

Grundsätzlich sind Partizipationen zwischen Bands ja eine schöne Sache: Man hat zum einen die Möglichkeit, eventuell Bands kennenzulernen, die man bisher nicht auf dem Schirm hatte oder auch noch relativ junge Bands zu unterstützen, die mit solchen Veröffentlichungen in der Lage sind, ein größeres Publikum zu erreichen. Sowohl die Portugiesen ONIRIK als auch die Belgier GRIMFAUG sind alte Hasen im Geschäft, die dennoch nicht jeder kennen dürfte, selbst wenn man lange in der Szene unterwegs ist. Beide Bands existieren seit 2002 bzw. 2001 und lassen sich rein stilistisch her in den Black Metal der zweiten Welle einordnen. Es geht also relativ straight nach vorne ohne große Anbiederungen an den Zeitgeist welchen Jahrzehnts auch immer.

Eröffnet wird die Stunde Musik von ONIRIK, die nach einem kurzen Intro relativ klassisch in ihren ersten Track „Scrolls of the recondite“ einsteigen. Überraschenderweise finden sich in den zehn Minuten auch immer wieder leicht avantgardistisch anmutende Passagen in den Vocals, bei denen durchaus auch schon mal der Gedanke an Ved Buens Ende aufkommt. Auch in „Ritual for a higher vision“ finden sich diese Anklänge, jedoch ist das Riffing hier etwas düsterer und wirkt somit viel atmosphärischer als der eher nach vorne treibende Opener. „The pantheon of the tempter“ verbindet diese Elemente schließlich zu einem Ganzen und wirkt zuweilen geradezu hymnisch. Ein gelungener Abschluss der eigenen Tracks, dem noch eine Coverversion von GRIMFAUG’s „Pest & plague“ folgt. Auch dieses wurde ins eigene Soundgewand gesteckt, was erstaunlich gut funkioniert und die erste Hälfte des Albums perfekt abrundet.

Ursprünglicher geht es im Anschluss bei GRIMFAUG zur Sache. Das atmosphärische Riffing ist ein guter Gegensatz zum Highspeed-Gekloppe der Drums, worauf man sich alllerdings auch erst mal umstellen muss, so sehr ist man während des ersten Tracks, „P.O.I.S.O.N.“, noch in dem Klangbild ONIRIK’s gefangen. Sobald „Corvi cantus“ einsetzt, ist das jedoch vergessen. Man macht hier zwar nicht viel anders als im vorigen Track, allerdings haben zumindest zu Beginn die Gitarrenmelodien hier etwas Erhabenes und rufen Erinnerungen an schneebedeckte Gipfel in der Einsamkeit Norwegens wach. „Hour of sacrifice“ schließt die eigenen Tracks schließlich mit einem acht-einhalb Minuten langen Stück ab, dass ob des anfänglichen Geprügels leicht ermüdend wird, nach einem Break zum Midtempo nach etwa der Hälfte jedoch mächtig an Atmosphäre gewinnt und diese im weiteren Verlauf auch noch ausbaut. Auch GRIMFAUG beenden ihre Hälfte mit einem Cover der Partnerband. „The hideous realm“ ist nicht ganz so gut gelungen wie das Cover von ONIRIK, jedoch ist es auch hier interessant zu sehen, wie man fremde Songs interpretiert.

Fazit: „MMXIV/MMXVI“ ist eine grundsolide Scheibe. Allerdings kann man durchaus sagen, dass die Tracks von ONIRIK mehr Wirkung erzeugen als diejenigen GRIMFAUG’s. Auch bei der Produktion liegen ONIRIK vorne, denn diese ist zwar auch nicht perfekt, jedoch ausdifferenzierter und daher eher etwas für Genießer, während die zweite Hälfte angenehm roh und solide klingt, aber gerade durch das Gekloppe auch etwas belanglos. Schade eigentlich. Denn was insgesamt geboten wird, ist abwechslungsreich und rechtfertig die Anschaffung. Daher: Kaufempfehlung! +++ 8 (Onirik) / 7,5 (Grimfaug) / 10 Punkten

Wer sich jetzt eine der auf 500 Exemplare limitierten CD’s ordern möchte, der macht gleich einen Abstecher in den Webshop von Iron Bonehead. Alternativ dazu kann man sich auf den Bandcamp-Seiten der beiden Bands die Split auch im digitalen Format kaufen.

Copyright: Onirik; Cover detail
Copyright: Onirik; Cover detail

ONIRIK / GRIMFAUG – MMXIV/MMXVI (Split)
Black Metal from Portugal & Belgium
Label / Vertrieb: Iron Bonehead Productions (CD; in cooperation with Altare Productions) & Bandcamp (Download)
Running time: 60:24 minutes
Release date: 30.03.2017

www.shop.ironbonehead.de
www.bandcamp.com (Onirik)
www.bandcamp.com (Grimfaug)

Anregungen? Kritik? Immer her damit...