NECROBLOOD – Collapse of the human race

Copyright: Amor Fati Productions / Necroblood
Copyright: Amor Fati Productions / Necroblood

Frankreich hat eine im Moment extrem vitale Szene: Egal, ob man an eher moderne Post-Black Metal-Bands wie Au Champs de Morts denkt, an klassischen Death Metal der Marke Venefixion oder aber an ursprünglichen Black Metal; man kommt um das Nachbarland im Moment nicht herum. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die seit 2010 aktiven Pariser NECROBLOOD mit ihrem Debüt „Collapse of the human race“ mal eben eines der stärksten Alben der letzten Jahre in der Schnittmenge aus brutalem Death Metal und Black Metal aus dem Ärmel schütteln. Musikalisch hat man seine Wurzeln tief im Death Metal der Endachtziger, Frühneunziger geschlagen. Will heißen: hier gibt es kompromisslos mit der Nagelkeule was aufs Fressbrett. Den Black Metal-Anteil findet man dabei eher in der Atmosphäre und stellenweise im Riffing, was einen äußerst energetischen Sound ergibt, der einen in den gut 45 Minuten Spielzeit von Anfang bis Ende fesselt.

Vor allem die saubrutale und nach vorne drückende Produktion trägt dazu bei, dass man das Album einfach immer und immer wieder hören muss. Davon können sich viele Bands mal eine Scheibe abschneiden, da Old School nicht zwangsläufig bedeutet, dass auch die Produktion nach 25 Jahre alten Aufnahmen zu klingen hat.

Schon das den Gehörnten anrufende Intro ist mit seinem ritualistischen Ton eine perfekte Einleitung in „Collapse of the human race“ und stellt ein letztes Luftholen vor dem alles zertrümmernden Opener „Through limitless abysses“ dar. Der sägende Gitarrensound, die böllernden Highspeed-Drums, der tief in die Magengrube pumpende Bass und die sowohl rausgekotzten als auch rausgegrowlten Vocals stellen von Beginn an klar, womit man es hier zu tun hat. Ebenso geht es über zu „Evil against evil“, wobei man den Wechsel zwischen den Songs fast nicht wahrnimmt. Dass lässt schon mal auf einen guten Albumfluss hoffen. Auch die erstmals etwas ausgebauteren Leads fügen gleich mal etwas mehr Variation hinzu. Mit einem kurzen Ausflug ins Midtempo steigt man in „Sons of genocide“ ein, bevor man wieder die Axt kreisen lässt. Allerdings wechselt man nach einem neuerlichen Break nach ungefähr der Hälfte des Songs wieder zurück in etwas langsamere Gefilde und behält diese Tempiwechsel für den Rest des Tracks auch bei. „Glorification through destruction“ ist pure Zerstörung; wem im Mittelteil nicht automatisch das Genick bricht, hat anscheinend keines. Geschwindigkeitswechsel und Leads passen sich richtig gut ein. Auch das folgende Instrumental „Essential collapse“ reißt nicht aus dem Albumfluss heraus, sondern lockert diesen wohltuend auf, da man damit nun wirklich nicht gerechnet hat. Mit neuer Energie geht es schließlich weiter in „Baptized by devil’s cum“, was erneut ein echter Brecher in einer Mischung aus Hochgeschwindigkeit und Midtempo ist. Definitiv mein Lieblingstrack auf dem Album; und das will was heißen, gibt es doch bisher keinen einzigen Ausfall zu verzeichnen. „Sadistik hunt“ führt in das letzte Drittel ein, und das kann man nur mit einem Wort beschreiben: pure Blasphemie! Sowohl musikalisch als auch durch das konsequent tiefe Röcheln wird eine dermaßen morbide Atmosphäre erzeugt, dass man gar nicht anders kann, als Luzifer und all seinen Dämonen zu huldigen. Ein absolut großartiger Track! Dem steht auch „Operation Gomorrah“ in nichts nach, das die düstere Atmosphäre wieder ein wenig auflockert durch sein Geprügel und das wohl klassischste Death Metal-Solo auf dem Album. Von denen gibt es glücklicherweise nicht allzu viele; in erster Linie setzt man auf kurze Leads. Auf beides verzichtet man im Album-Closer „The omen“ und setzt einen gewaltigen Schlusspunkt unter ein Album, das in dieser Form wohl schwer zu toppen sein wird.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber NECROBLOOD sind rein von der Energie her im Moment die besseren Belphegor. Natürlich sind die Österreicher mittlerweile technisch viel versierter, aber genau darin liegt auch die Crux: Vergleicht man deren letztes Album „Conjuring the dead“ mit dem älteren „Pestapokalypse VI“ und mit dem hier reviewten „Collapse of the human race“, so steckt in letzterem viel mehr Wut, Bösartigkeit und einfach mehr Nackenbrecherpotential. Mich jedenfalls hat das Album extrem angefixt und ich kann jedem Death Metal-Maniac, der auch vor Black Metal nicht zurückschreckt, nur empfehlen, sich diesen Brecher ins Regal zu stellen. Pflichtkauf!!! 9 / 10 Punkten

Wer sich nun schleunigst das Album sichern will, der sollte am Releasetag die Webshops von Amor Fati und Iron Bonehead aufsuchen, und sich das Album ordern. Sobald das Album auf Bandcamp verfügbar ist, werde ich dies auch hier bekannt geben.

Copyright: Necroblood
Copyright: Necroblood

NECROBLOOD – Collapse of the human race
Death / Black Metal from France
Label / Vertrieb: Amor Fati Productions (CD) / Iron Bonehead Productions (LP) & Bandcamp (Download)
Running time: 44:51 minutes
Release date: 31.03.2017

www.amor-fati-productions.de/shop
www.shop.ironbonehead.de
www.bandcamp.com

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