STREAMS OF BLOOD – Allgegenwärtig

Copyright: Folter Records / Streams of Blood
Copyright: Folter Records / Streams of Blood

Frisch auf dem Tisch landete gerade das vor wenigen Wochen erschienene Drittlingswerk der bayerischen Black Metal-Horde STREAMS OF BLOOD. Die seit 2009 aktive Truppe ist noch relativ wenig bekannt, was sicher nicht an der Qualität der Musik liegt, denn die liegt im oberen Mittelfeld und bietet mehr als nur soliden Black Metal. Auf „Allgegenwärtig“ jedenfalls setzt man durchaus auf Abwechslung im Songwriting und prügelt sich nicht einfach stumpf durch die acht Tracks innerhalb der 45 Minuten. Auch bei der Produktion macht man nichts falsch: Genretypisch ist diese zwar relativ roh, aber dennoch gut ausbalanciert. Einziger Wehrmutstropfen dabei: die extrem dünne Bassdrum. An und für sich mag ich es ja, wenn diese nicht so extrem im Vordergrund steht, aber hier ist sie mir dann doch zu weit nach hinten gemischt.

Der Opener „Stella nova (Collapse)“ eröffnet das Album mit einem stark doomigen Grundton, der sich zwar richtig gut anfühlt, jedoch keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass man es immer noch mit einer Black Metal-Truppe zu tun hat und mit „Corrosion“ im Anschluss direkt das genaue Gegenteil bietet. Pfeilschneller Black Metal, der direkt auf den Punkt kommt und gleich mal für Abwechslung sorgt, bevor „Detox“ für den ersten Höhepunkt sorgt: Ist der Beginn zunächst wieder sehr doomig, steigert man sich stetig über Midtempo bis hin zur Raserei und fügt dem Ganzen noch weitere Tempiwechsel hinzu, so dass diese sieben Minuten eine wahrhaft energetische Mixtur ergeben. „Open your third eye“ kann dieses Niveau nicht ganz halten, ist durch die erneut eingefügten, zahlreichen Tempiwechsel jedoch alles andere als Durchschnitt und treibt sowohl das Album als auch den Hörer kontinuierlich weiter nach vorne. Das folgende „Fusion“ drückt das Tempo ins Midtempo herab und bildet mit seinen teilweise sehr morbide klingenden Gitarren einen guten, sehr atmosphärischen Kontrapunkt. In „Man owes nature only death (Conduct)“ wird tempomäßig wieder mehr Gas gegeben, bleibt allerdings meist im oberen Midtempo hängen und ist somit immerhin oberer Standard. Das Abschlussdoppel „Regeneration“ und „Transformation“ lassen diesen kleinen Ausreißer nach unten jedoch schnell vergessen, denn insbesondere „Regeneration“ ist mit seinem düsteren, schnellen Riffing eine absolute Granate schwarzer Tonkunst. Der Song atmet Atmosphäre pur und ist die perfekte Einleitung für den Album-Closer „Transformation“. Und der mausert sich schließlich zum stärksten Track: Führt man anfangs noch die im vorigen Song kreierte Songstruktur fort, finden sich zum Ende hin sogar Bezüge zum Post-Black Metal, was zunächst zwar überrascht und bei vielen wahrscheinlich für offene Münder bis Verständnislosigkeit sorgen wird. Ich für meinen Teil finde das allerdings extrem gelungen, zumal es sich exzellent in den Song und in den Albumfluss einfügt, ohne dass Brüche im Songwriting zu erkennen wären.

Zugegeben, man sollte dem Album schon eine gewisse Zeit geben, um es auf sich wirken zu lassen. Denn trotz aller Kritik und dem im Grunde typischen Black Metal steckt hier und da (und dabei natürlich besonders bei den letzten beiden Tracks) noch soviel ungenutztes Potential in STREAMS OF BLOOD, dass es mir die angegebene Wertung definitiv wert ist. Vielleicht kein Album für die Ewigkeit, jedoch ein mit ein wenig Eingewöhnungszeit richtig starker Release, den man sich guten Gewissens ins Regal stellen darf. +++ 8 / 10 Punkten

Wer den reißenden Strömen kochenden Blutes nun sein Ohr leihen möchte, der ordert sich „Allgegenwärtig“ entweder im Shop von Folter Records oder aber als Download über den Bandcamp-Shop der Band.

Copyright: Streams of Blood
Copyright: Streams of Blood

STREAMS OF BLOOD – Allgegenwärtig
Black Metal from Germany
Label / Vertrieb: Folter Records (CD) & Bandcamp (Download)
Running time: 45:23 minutes
Release date: 25.02.2017

www.folter666shop.de
www.bandcamp.com

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