BLOOD MOON – Through the scarlet veil

Copyright: Iron Bonehead Productions / Blood Moon
Copyright: Iron Bonehead Productions / Blood Moon

Griechenland wird mehr und mehr zu einer zentralen Anlaufstelle in der aktuellen Black Metal-Szene, die nicht nur durch kreatives Potential punktet, sondern vor allem durch die schiere Masse an hochklassigen Bands. Mit BLOOD MOON machen sich nun die nächsten Beschwörer Luzifers auf, ihre okkulten Messen unters Volk zu bringen. Dabei darf man das durchaus wörtlich nehmen: denn hier herrscht nicht brachiale Gewalt, sondern die Musik wird regelrecht zelebriert. Die Gitarren sind so gut wie nicht verzerrt, rhythmisch bewegt man sich meist im Midtempo und der Gesang ist klar verständlich bis ritualistisch beschwörend. Das ist atmosphärich extrem dicht und macht das Album zu etwas Besonderem im sonstigen und gewohnten (Black) Metal. Einziger Wehrmutstropfen: Die doch ziemlich dumpfe Produktion, die insbesondere die Drums sehr dünn klingen lässt und von denen man am deutlichsten die Becken hört. Das ist relativ schade, denn an vielen Stellen erinnert das Drumming auf „Through the scarlet veil“ durchaus an Mayhems „De mysteriis dom Sathanas“. Das macht bereits der Opener „I.V. – Fires of manifestation“ deutlich, der den Hörer vom ersten Takt an in ein sehr dicht gewobenes Soundgespinst zieht; voller dunkler Mystik, beschwörenden Chants und einer fantastischen Instrumentalfraktion. Im Grunde ist es völlig egal, welchen Song man als Referenztitel nennen würde, denn jeder ist ein absolutes Meisterwerk. Ob nun „The seven-rayed star“, „Sacred flame – Awakening of the ancestors“ oder das sehr melancholisch wirkende „G.N.O.S.I.S.“: diese Hitdichte ist schon fast unheimlich. Dabei bleibt es aber nicht: Mit „IAO – In the coils of the serpent“ liegt eines der besten Mayhem-worshippings aller Zeiten vor. Ich jedenfalls hatte Gänsehaut! „ΣΕΘ – Chaos in Order“ fügt sich daran richtig gut an und baut die eh schon vorhandene Atmosphäre noch weiter aus. Den hymnischen Höhepunkt setzt „O Grandest“ mit seinen Chants, während „Psalm of the Nameless – Thy kingdom come“ eine weitere Mayhem-Reverenz (insbesondere im Drumming ist).

Das Album braucht sicher mehrere Durchläufe, bis es richtig zündet. Hat man diese Schwelle jedoch gemeistert, begeistern die 50 Minuten restlos. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, sich mit „Through the scarlet veil“ zu beschäftigen. Und eigentlich widerstrebt es mir, hier eine niedrigere Wertung anzusetzen, da sich alles auf hohem Niveau bewegt. Und auch, wenn ich an einige Bands trotz „Retroproduktion“ Noten in diesem Bereich verteile, so geschieht dies immer mit dem Hintergrund, dass eine andere Produktion dem Gesamtbild nicht gerecht geworden wäre. Und so muss ich – schweren Herzens – hier einen Zähler abrechnen, denn mit einer druckvolleren Produktion (und die wäre sicherlich möglich gewesen) wäre dies hier ein absolutes Überalbum gewesen. Dennoch: Pflichtkauf!!! +++ 8,5 / 10 Punkten

Alle, die sich dieses Stück wunderschönen Okkultismus ins Regal stellen wollen, können dies ab sofort über den Webshop von Iron Bonehead tun, wo ihr das Album im schicken Gatefold als Doppel-LP erwerben könnt. Die von der Band selbst vertriebenen Formate CD und Tape sind bereits nicht mehr erhältlich; ihr habt jedoch die Möglichkeit, das Album auf der Bandcamp-Seite von BLOOD MOON als Download zu erwerben.

Copyright: Blood Moon
Copyright: Blood Moon

BLOOD MOON – Through the scarlet veil
Black Metal from Greece
Label / Vertrieb: Iron Bonehead Productions (2LP) & Bandcamp (Download)
Running time: 50:42 minutes
Release date: 21.12.2016 (Download, CD + Tape) / 03.03.2017 (2LP)

www.shop.ironbonehead.de
www.bandcamp.com

Anregungen? Kritik? Immer her damit...