PERSONAL INSIGHT: Warum tut man sich den Stress eines eigenen Online-Magazins an?

Jetzt soll es zum ersten Mal ein wenig persönlicher werden. In die bisherigen Reviews ist ja schon der eine oder andere Hinweis über mich eingeflossen: Welche Musikrichtungen ich favorisiere, beispielsweise. Oder auch schon mal meine generelle Meinung über manche Themen, wenn auch meist eher zwischen den Zeilen zu lesen. In diesem ersten Personal Insight möchte ich einfach mal darüber schreiben, weshalb ich mir die ganze Mühe eines eigenen Online-Magazins mache, da es doch wahrlich genug davon gibt.
Zunächst einmal sei gesagt, dass es keine „Mühe“ ist, die ich mir da aufbürde, sondern ich erfülle mir in – jedenfalls noch jetzt – bescheidenem Rahmen einen alten Traum: über Musik zu schreiben, die mich begeistert oder von der ich denke, dass sie andere begeistern könnte. So gesehen ist das auch keine Arbeit, da ich nun etwas mache, mit dem ich eh schon Zeit meines Lebens fast ausschließlich beschäftigt bin und mir auch nicht vorstellen könnte, jemals ohne dieses Etwas auskommen zu können: Schreiben!

Ich denke, dass sich viele eine falsche Vorstellung davon machen, wenn man sagt, dass man haupt- oder nebenberuflich mit Schreiben sein Geld verdient oder dies – wie ich – zum größten Teil in seine Freizeit legt. Es gehört dazu ein unglaubliches Maß an Selbstdisziplin. Wenn man seriösen Musikjournalismus betreibt (und als solchen sehe ich meine Arbeit trotz aller Subjektivität hier auf blacksalvation.de an), kann man sich nicht einfach hinsetzen und irgendwas auf der Tastatur runterhacken und ins Netz stellen. Dass es solche Menschen und Blogs gibt, wissen wohl die meisten Online-Leser. Ebenso, dass man diese oftmals eher zweifelhafte Qualität als schriftstellerische oder journalistische Freiheit rechtfertigt.
Man soll das jetzt bitte nicht so verstehen, als möchte ich diesen Leuten ans Bein pissen. Dem ist nicht so. Denn ich selber bin in meiner Wortwahl hin und wieder ebenfalls nicht gerade zartfühlend. Es ist jedoch ein Unterschied, ob man diese aus Leidenschaft für oder gegen etwas wählt oder einfach nur um der Aufmerksamkeit willen…

Apropos Leidenschaft: Diese ist es, die mich vor ein paar Wochen dazu getrieben hat, dieses Magazin ins Leben zu rufen. Natürlich ist der Aufbau noch längst nicht abgeschlossen, ich feile nach wie vor am richtigen Konzept und stelle im Grunde permanent Überlegungen an, was ich als nächsten Schritt unternehmen könnte.
Die erste Überlegung war, Reviews zu veröffentlichen, die ich ausschließlich subjektiv halte. Diese Subjektivität und Begeisterung sollte dazu dienen, es anderen Menschen leichter zu machen, sich ebenfalls auf diese Art und Weise für ein Album oder eine Band zu begeistern. Dass jedoch vom ersten Review an ein gerüttelt Maß an Objektivität einfließen würde, hat mich letztlich selbst überrascht. Jedoch kann ich auch mit ein paar Wochen Abstand absolut mit dem Geschriebenen leben und die Bewertungen finden stets sehr emotionell ihren Weg hinter die Kreuze.

Ich bin allerdings abgeschweift, als ich das Thema Selbstdisziplin ansprach. Wie gesagt, setzt man sich nicht einfach hin und schreibt dann mal eben etwas. Man sollte sich im Genre auskennen, sich mit den Bands auseinandersetzen, recherchieren und vor allen Dingen sich nicht allzu sehr vom Promomaterial der Labels blenden lassen, was durchaus ein Anfängerfehler sein kann. Die ganze Vorbereitung für ein Review einer Band, die man noch nicht kennt plus das Schreiben des Reviews selbst dauert bei mir in der Regel zwei bis drei Stunden. Bei Bands, die ich kenne, liegt der Schnitt bei ca. zwei Stunden. Allerdings gilt es hier auch zu differenzieren, was für eine Band bzw. was für einen Stil man gerade reviewt. An einem komplexen Album kann man auch schon mal ein, zwei Tage sitzen, bis man den nötigen Zugang gefunden hat, um adäquat urteilen zu können.

Der wichtigeste Anstoß für blacksalvation.de war allerdings, dass ich mich in meiner Meinung zu vielen Bands in den meisten Publikationen (offline wie online) schlicht nicht mehr repräsentiert sah und mir zudem viele Diskussionen dort einfach nur noch auf die Nerven gingen. Also dachte ich: „Fickt euch, ich mache das jetzt selbst!“ Und nein, ich lese nicht nur noch meine eigenen Ergüsse, sondern setze mich jeden Tag auch mit den Meinungen anderer auseinander. Im Gegenteil, sobald ich den jeweiligen Artikel redigiert und online gestellt habe, sehe ich keinen Grund, da noch länger Zeit zu investieren. Meine Meinung ist damit manifestiert und wenn das Album richtig geil ist oder meinen Geschmack trifft, läuft es eh verdammt oft. Und davon mal abgesehen: Trotz aller Erfahrung im Schreiben bin ich nicht so vermessen und sage, dass ich in dieser Hinsicht nichts mehr dazulernen könnte. Jeder neue Artikel ist eine neue Herausforderung, in dem man ständig um neue Worte und Formulierungen ringt. Und das ich beim Reviewen da noch jede Menge lernen kann und muss, ist mir nur allzu klar… 😉

Auch hier wieder ein apropos: Apropos Herausforderung! Die größte ist nicht einmal das Schreiben, sondern der Umgang mit der Community. Man muss extrem aufpassen, dass man sich nicht in sinnlosen Diskussionen zum Beispiel auf Facebook verliert, um am Ende als Klugscheißerin dazustehen. Das Beste ist sowieso, lieber die Anderen ihre Gemeinsamkeiten oder Differenzen ausleben zu lassen und sich darüber zu freuen, überhaupt eine Diskussion angestoßen zu haben. Denn genau das hält neben der Musik, der Kunst an sich, doch die komplette Szene am Leben: Die ständige Auseinandersetzung mit ihr, um konstruktiv neue künstlerische Horizonte zu erreichen.

Und ganz ehrlich? Letztlich schreibe ich ja nicht für mich. Sondern in erster Linie für musikbegeisterte Menschen, wie ich selbst einer bin und vor allem für die Bands, die es sich zu promoten lohnt…

I AM BLACK SALVATION – HAIL DARKNESS!!!

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