FROSTREICH – Join the wind

Copyright: Geisterasche Organisation / Frostreich
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„Zwei Post-Black Metal-Reviews innerhalb eines Tages? Ja, ist denn Black Salvation jetzt schon ausgewimpt?“ mag sich nun der eine oder andere fragen, dem meine musikalischen Vorlieben ja nicht ganz unbekannt sind. Nein, kann ich da nur antworten. Aber ich habe, denke ich, herausgefunden, worin mein bisheriges Problem mit „Post“-Bands im Black Metal kam: Sie kamen nicht aus hiesigen Landen! Und nein, das heißt jetzt keinesfalls, dass es außerhalb der Landesgrenzen keine großartige Musik dieser Stilrichtung gibt. Nur wirken für mich persönlich Bands aus den Staaten zum Beispiel einfach zu gewollt romantisch oder nachdenklich; oder die Franzosen: die sind mir wiederum zu verspielt, zu avantgardistisch. Ich gebe zu, dass ich durch das Review zur kommenden HERETOIR-Scheibe mit extrem hohen Erwartungen an den bereits dritten Longplayer des Frankfurter Ein-Mann-Projektes FROSTREICH heran gegangen bin. Und wieder einmal wurde ich sehr überrascht. Das fängt schon dabei an, dass das Album eine Spielzeit von gerade mal 35 Minuten hat, also relativ kurz ausfällt (was mir jedoch generell lieber ist als künstlich aufgeblähte Spielzeiten). Als nächstes ist da die richtig fette Produktion: die Drums drücken den Sound regelrecht nach vorne, der Gitarrensound ist klar und sauber und die Vocals haben genau die richtige Dynamik; weder zu weit im Vordergrund, noch zu verhallt weit hinten. Wer nicht schon vom Eröffnungstrack „The ever giver“ weggeblasen wird, hört hier definitiv die falsche Musik. Das Wechselspiel von abnehmenden und wieder steigenden Tempi in „Anxiety“ macht neugierig auf das noch Folgende, da es stilistisch zwar stringent mit dem Vorgängertrack ist, durch die minimal eingestreuten Synths jedoch auch anders wirkt. Man kann das einfach nicht besser beschreiben. „Empty again“ drückt wieder von Beginn an nach vorne und so langsam ist es mir total egal, dass die Bezeichnung „Post-Black Metal“ völlig fehl am Platz ist. Das hier ist Depressive Rock vom Feinsten, was der Markt momentan zu bieten hat. Im Endeffekt ist es einfach, dunkle und okkulte Texte zur passenden Musik zu schreiben („einfach“ ist hier im relativen Zusammenhang zu sehen, wohlbemerkt); aber diese sehr nachdenkenklichen und introvertierten Lyrics zu dieser Art von Musik zu verfassen wie im Falle von FROSTREICH, das ist wirkliche Kunst. „Spirit of the lake“ nimmt dann erst mal das Tempo komplett raus und gönnt dem Hörer eine wohlverdiente instrumentale Verschnaufpause, bevor es mit „Dear light“ wieder mächtig heftig wird. Vor allem atmosphärisch wird hier einiges geboten und avanciert daher zum abwechslungsreichsten Stück des Albums. Naja, fast: Im nun folgenden Titeltrack spielen FROSTREICH endgültig ihr volles Potential aus. Was mit einem extrem schnell gespielten Part beginnt (immer unterlegt von nie aufdringlichen Synths), läuft schon kurz nach Beginn in einen ruhigen Part aus, der schließlich ins höhere Midtempo wechselt, nur um kurz darauf wieder das Wechselspiel von langsamen und schnelleren Parts von Neuem zu beginnen. Was eine Achterbahnfahrt! Dazu noch der Wechsel von den über die Albumdistanz am meisten genutzten harschen Vocals zum sehr sparsam eingesetzten Klargesang. Richtig gut. (Bin ich übrigens die Einzige, die findet, dass sich Klargesang im extremen Metal heuer endlich nicht mehr so „eierig“ anhört wie noch in den Neunzigern? – IX Equilibrium von Emperor, anyway? 😉 ) Der Übergang in das abschließende Instrumental „Leaving the traces“ ist dann fließend und plötzlich ist das Gefühl da: „ja, wie, Album schon durch?“ Und als Erkenntnis bleibt eines zurück: Man hat gerade ein saustarkes Album gehört, was ab sofort wahrscheinlich ziemlich oft auf dem Plattenteller rotieren wird. Pflichtkauf!!! +++ 8,5 / 10 Punkten

„Join the wind“ erhaltet ihr sowohl über den labeleigenen Shop als auch über Bandcamp in den folgenden Formaten: entweder als CD (limitiert auf 100 Stück) oder aber als Download.

Copyright: Frostreich
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FROSTREICH – Join the wind
Post-Black Metal / Depressive Rock from Germany
Label / Vertrieb: Geisterasche Organisation (CD) + Bandcamp (Download)
Running time: 35:07 minutes

www.geisterasche.de
www.bandcamp.com

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