Seltsame Alben oder: Braucht man so etwas wirklich im Black Metal?

Wie in jeder anderen Sparte des Metal gibt es auch im Black Metal (bzw. dessen Umfeld) Bands, bei denen man sich uwillkürlich denkt: „Was hat das denn bitte noch mit Black Metal zu tun? “ In dieser Rubrik „Seltsame Alben“ werde ich von Zeit zu Zeit Alben oder Bands vorstellen, die nicht so wirklich in das typische „Klischee“ im Black Metal passen. Dabei steht dann gar nicht mal so sehr der musikalische Aspekt im Vordergrund, sondern eher das Albumkonzept oder gleich komplett die ganze Band. Wer Ideen hat, kann diese natürlich gerne an mich weiterreichen.

HOTH – Oathbreaker

Copyright: Hoth
Copyright: Hoth

Vor ungefähr zweieinhalb Jahren fiel mir dieses Album der Band aus den Staaten in die Hände, weil ein Bekannter zu mir meinte: Das ist lustig, das musst du dir zulegen. Ich gehöre eben zu den Menschen, die sich auch gerne mal überraschen lassen. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass Spaß etwas ist, was in den Black Metal gehört. Da besagter Bekannter aber ein komischer Kauz ist und eh einen etwas seltsamen Humor hat (sorry, Ulf), bin ich seinem Rat gefolgt und habe es mir beim Händler meines Vertauens gekauft. Zwei, drei Tage später lag dann das Päckchen in der Post. Ich holte die CD heraus und musste mich erst einmal setzen. Klar, ich bin ein riesiger Star Wars-Fan, aber was zur Hölle hat Star Wars im Black Metal zu suchen??? Denn der erste Blick fiel natürlich auf das Logo und das sprang mir dann auch in Form eines TIE-Fighters ins Gesicht. Zum Glück saß ich schon…

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TIE-Fighter and Black Metal? Really??? Copyright: Hoth

Ich legte die CD dann in die Anlage und dachte mir, dass es jetzt auch nicht mehr schlimmer kommen könnte. Musikalisch ist ja alles handwerklich gut gemacht und wer auf so eine Mischung aus Melodic / Atmospheric / Black / Death Metal steht, für den ist das Album sicher ganz nett, da auch die Produktion keinem weh tut (ich finde sie etwas zu glatt und fast schon „catchy“). Und ich glaube auch, dass die Jungs wirklich ernsthaft an die Sache herangehen. Aber: Ich höre Black Metal schließlich nicht, um mir Lyrics über die missverstandene Prophezeiung betreffend Anakin Skywalker anzuhören!!! Als Musikerin und Redakteurin liegt mir im Grunde viel daran, immer das Gesamtbild zu sehen. Bei solch einem Album wie „Oathbreaker“ fällt das aber nicht sonderlich leicht. Hört euch da einfach mal „Acolyte of the tenebrous night“ an: das klingt so sehr nach alten Dimmu Borgir oder Old Man’s Child (ja, beides Rotz, ich weiß – ist auch meine Meinung), dass es nicht mehr feierlich ist. Und auch die Melodie, die sich durch das ganze Stück vom Intro an zieht, erinnert mich an den Schlussteil in irgendeinem anderen Song (der mir ärgerlicherweise gerade nicht einfällt), wo er allerdings in hohen Violinentönen erklang. Man kann wirklich frech klauen, da ändert auch eine Durschnittswertung von 93% auf Metal Archives nichts an meiner Meinung…

Bis zu einem gewissen Grad fand ich das Album sowie das Bandkonzept ja lustig, gerade weil es etwas ist, was man im Black Metal einfach nicht erwartet. Doch Black Metal sind HOTH streng genommen nicht und sollten daher auch nicht in diese Schublade gesteckt werden. Und um mal ernsthaft zu werden: Mehr als eine Band mit so einem Konzept braucht auch die Szene generell nicht. Aber wer sich obskure Scheiben in die Sammlung stellt (so wie ich halt), kann sich das Album ruhig zulegen. Man kann sein Geld wahrschlich schlechter anlegen.

Ach ja: Wer sich jetzt noch fragt, wie die Jungs eigentlich aussehen:

Copyright: Hoth
Schöne Grüße von Korriban… Copyright: Hoth

HOTH – Oathbreaker
Melodic / Atmospheric / Black / Death Metal
Label / Vertrieb: Epicurus Records / Bandcamp (CD + Digital)
Running time: 55:18 minutes

www.bandcamp.com

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